
Suche nach Hinweisen am Tatort des Fabian-Falls | Quelle: Getty Images
Der Prozess im Mordfall Fabian beginnt – Staatsanwaltschaft enthüllt erschreckenden Ablauf der Ereignisse, die zu der Tragödie führten
Am 28. April 2026 begann vor dem Landgericht Rostock der Mordprozess im Fall des achtjährigen Fabian aus Güstrow. Der erste Verhandlungstag dauerte nur 16 Minuten – aber die verlesene Anklageschrift hinterlässt ein Bild, das schwer zu ertragen ist.
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Der größte Sitzungssaal des Landgerichts Rostock war bis auf den letzten Platz besetzt. Rund 80 Zuschauer und 30 Medienvertreter verfolgten den Auftakt, bereits eine Stunde vor Beginn warteten Menschen auf Einlass.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: In Handschellen wartet die Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Pünktlich um 9.30 Uhr wurde Gina H. in Fußfesseln in den Saal geführt, einen roten Aktendeckel vors Gesicht gehalten. Hinter der Mappe: eine verunsicherte Frau mit braunen Haaren und Pony, die scheu ins Publikum blickte.
Keine zehn Meter von ihr entfernt saß Fabians Mutter – mit geradem Rücken, wie versteinert, den Blick fest auf die Angeklagte gerichtet. Die persönliche Begegnung falle ihr sehr schwer, hatte ihre Anwältin kurz zuvor erklärt.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
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Was die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift enthüllte, beginnt nicht am Tattag selbst – sondern einen Tag zuvor. Am 9. Oktober 2025 schrieb Fabians Vater Matthias R. der Angeklagten per Chatnachricht, dass es für sie keine gemeinsame Zukunft mehr gibt – und er seinen Sohn nicht noch einmal verlieren wolle.
Diese Nachricht gilt nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft als entscheidender Auslöser für die Tat. Wenige Stunden später war Fabian tot.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Laut Anklage war Gina H. bis August 2025 rund vier Jahre lang mit Fabians Vater zusammen. „Während Fabian L. seinen Vater zu Beginn der Beziehung noch regelmäßig aufsuchte, auch um mit dem etwas jüngeren Sohn der Angeklagten spielen zu können, brach der Kontakt infolge einer von Fabian beobachteten körperlichen Auseinandersetzung zwischen Mathias R. und der Angeklagten ab." Von wem die Auseinandersetzung ausging, ließ der Staatsanwalt offen.
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Erst nach der Trennung im August 2025 besuchte Fabian seinen Vater wieder – regelmäßig, von Freitag bis Sonntag. Mehrere Versuche von Gina H., die Beziehung wiederaufleben zu lassen, scheiterten daran, dass Matthias R. den Kontakt zu seinem Sohn nicht erneut riskieren wollte.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Thomas Löcker (vorne, von links nach rechts), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Andreas Ohm, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Am Morgen des 10. Oktober 2025 war Fabian nicht in der Schule – er fühlte sich krank, seine Mutter war auf der Arbeit. Laut Anklage fuhr Gina H. um 10.43 Uhr mit ihrem orangefarbenen Ford Ranger zur Wohnung von Fabian und seiner Mutter in Güstrow.
Wie genau sie den Jungen dazu brachte, in ihr Auto zu steigen, ist bis heute ungeklärt. Fest steht: Er stieg ein – auch ihr Hund war im Wagen. Sie fuhren in ein Waldstück südwestlich von Güstrow, wo sie kurz den Hund laufen ließ.
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Um 11.22 Uhr schaltete sie ihr Smartphone aktiv aus. Dann fuhr sie mit Fabian über einen Feldweg in Richtung Klein Upahl, parkte den Ranger und ging mit dem Jungen zu einer etwa 100 Meter entfernten Schweinesuhle.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der leitende Staatsanwalt Harald Nowack wartet vor Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian im Gerichtssaal des Landgerichts | Quelle: Getty Images
„Plötzlich und für Fabian unerwartet" – so beschreibt die Anklageschrift den Moment der Tat. Gina H. soll den Jungen getötet haben. „Dabei handelte die Angeklagte mit dem Entschluss, Fabian töten zu wollen."
Fabian starb zwischen 10.50 und 13 Uhr. Um 12.43 Uhr aktivierte Gina H. ihr Smartphone und traf sich mit einem Bekannten an einem nahegelegenen See. Anschließend kehrte sie laut Anklage zum Tatort zurück – offenbar um Spuren zu verwischen.
Vier Tage später fand sie den Leichnam selbst und meldete ihn der Polizei – damals war noch von einer Spaziergängerin die Rede. In Wahrheit war es die Frau, die laut Anklage zuvor selbst die Tat begangen hatte.
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28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der leitende Staatsanwalt Harald Nowack blickt vor Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian im Gerichtssaal des Landgerichts auf seine Uhr. | Quelle: Getty Images
Laut Staatsanwaltschaft glaubte Gina H. nach der Trennung, ihren bisherigen Lebensstil nicht fortführen zu können. Sie handelte ziel- und zweckgerichtet – in der Hoffnung, durch Fabians Tod einen Streitpunkt aus dem Weg zu räumen. „Dabei vernichtete sie bedenkenlos das Leben des achtjährigen Kindes für die vage Hoffnung auf Wiederaufnahme einer für sie auch monetär vorteilhaften Beziehung." In welcher Weise sie finanziell profitiert haben soll, blieb in der Anklage offen.
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Als der Richter Gina H. fragte, ob sie sich äußern wolle, antwortete ihr Verteidiger Thomas Löcker: „Wir werden keine Angaben zur Sache machen." Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass sich das im Laufe des Verfahrens ändere.
Ein zentrales Problem bleibt die fehlende Tatwaffe. Oberstaatsanwalt Harald Nowack erklärte: „In vielen Fällen gibt es keine. Das ist nicht besonders ausschlaggebend. Wenn man andere Beweise hat." Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Bis zum 2. Juli sind 16 weitere Verhandlungstage angesetzt, über 60 Zeugen sollen gehört werden.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Thomas Löcker (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Andreas Ohm, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 aus niederen Beweggründen heimtückisch getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Der Fall Fabian hat Deutschland seit dem Herbst 2025 in Atem gehalten. Wir haben den Fall von Anfang an begleitet – vom Verschwinden des Jungen über die tagelange Suche, den Fund der Leiche, die Festnahme der Verdächtigen bis hin zur Anklageerhebung. Alles, was bisher bekannt ist, haben wir in einem ausführlichen Überblick zusammengefasst:
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28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Am 28. April beginnt vor dem Landgericht Rostock der Prozess gegen Gina H. – die Frau, die des Mordes an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow angeklagt ist. Was als gewöhnlicher Freitagmorgen begann, entwickelte sich zu einem der erschütterndsten Kriminalfälle Deutschlands der vergangenen Jahre.
Der Fall begann im Oktober 2025 und hält Deutschland seitdem in Atem. Ein achtjähriger Junge aus Güstrow verschwindet spurlos, vier Tage später wird er tot aufgefunden – die Leiche verbrannt. Eine Frau aus dem engsten Familienumfeld wird zur Hauptverdächtigen. Monatelange Ermittlungen, eine Anklage wegen heimtückischen Mordes – und nun, ein halbes Jahr später, der Prozess. Hier ist alles, was du vor dem ersten Verhandlungstag wissen musst.
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Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images
Der letzte Morgen
Es ist Freitag, der 10. Oktober 2025. Gegen 8.30 Uhr verlässt Dorina L. die gemeinsame Wohnung in Güstrow, um zur Arbeit zu gehen. Ihr Sohn Fabian fühlt sich nicht gut – am Vortag hatte er in der Schule plötzlich Nasenbluten bekommen. Er bleibt zu Hause. „Ich habe ihn noch gefragt: Willst du zur Schule oder zu Hause bleiben?", erinnert sich seine Mutter.
„Wir haben uns verabschiedet. Ich habe noch gesagt: Ich habe dich lieb, bis später."
Es sind die letzten Worte, die sie mit ihrem Sohn wechselt. Als sie nach der Arbeit nach Hause kommt, ist die Wohnung leer.
Fabian ist acht Jahre alt, etwa 1,44 Meter groß, hat blonde Haare und blaue Augen. Als er verschwindet, trägt er vermutlich eine Jogginghose, einen Pullover und dunkle Turnschuhe mit hellblauer Rückseite. Sein Handy lässt er zu Hause – eine Tatsache, die die Suche nach ihm erheblich erschweren wird.
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Die Suche
Dorina L. meldet ihr Kind am Abend als vermisst. Was folgt, ist eine der größten Suchaktionen der Region: Über 200 Einsatzkräfte – Polizei, Feuerwehr, Hundestaffeln, Taucher, Drohnen und freiwillige Helfer – durchkämmen tagelang Wälder, Gewässer und leerstehende Gebäude rund um Güstrow.
Spürhunde führen die Ermittler zunächst zum Busbahnhof in der Stadt, dann zu einer Haltestelle bei Zehna – dort lebt Fabians Vater Matthias Röhrbein. Die Fährte verliert sich im Wald. Am Montagabend schlagen Leichenspürhunde am Inselsee an, Taucher suchen stundenlang – ohne Ergebnis.
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Ein Imbissbetreiber berichtet, er habe am Freitagnachmittag an einer Bushaltestelle einen Jungen gesehen, der Fabian geglichen habe. Wenig später sei ein blauer Bus vorgefahren – und der Junge verschwunden. Fabians Vater spricht in diesen Tagen mit RTL. Seine Worte sind kaum zu ertragen:
„Ich komme überhaupt nicht zur Ruhe, fühle mich hilflos, verlassen. Nachts gehe ich schon gar nicht mehr ins Bett, bleibe auf der Couch sitzen, in der Hoffnung, dass jede Sekunde mein Sohn durch die Tür kommt."
Und: „Ich wünsche mir vom ganzen Herzen, dass er am besten jetzt durch die Tür kommt und sagt: ‚Mama, Papa, ich bin wieder zu Hause.' Nichts Größeres auf der Welt wünsche ich mir gerade."
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Als er erfuhr, dass sein Sohn verschwunden war, traf ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: „Erst habe ich gedacht, das wäre vielleicht ein schlechter Witz oder er ist rausgegangen und zum Freund oder Kumpel und kommt vielleicht wieder." Als ihm klar wurde, dass Dorina bereits überall gesucht und alle Freunde angerufen hatte, sagte er: „Das war wie so ein Schlag ins Gesicht."
Der Fund
Am Dienstag, dem 14. Oktober, bringt ein Hinweis aus der Bevölkerung die entscheidende Wendung. In einem abgelegenen Waldstück nahe Klein Upahl – rund 15 Kilometer von Fabians Zuhause entfernt – findet eine Spaziergängerin an einem kleinen Tümpel eine Kinderleiche. Der Körper weist Brandspuren auf. Die Polizei bestätigt kurz darauf: Es ist Fabian.
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„Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist von einem Gewaltverbrechen auszugehen", erklärt die Staatsanwaltschaft Rostock. Die Obduktion bestätigt es: Fabian ist Opfer eines Verbrechens geworden. Die Leiche wurde offenbar angezündet, um Spuren zu verwischen. Ob Tatort und Fundort identisch sind, können die Ermittler zunächst nicht sagen.
In Güstrow versammeln sich Hunderte Menschen in der Marienkirche zu einem Gedenkgottesdienst. Bürgermeister Sascha Zimmermann spricht, was viele denken: „Fabian, du warst einer von uns, du wirst uns fehlen." Kerzen, Kuscheltiere und Kinderzeichnungen füllen die Stufen vor der Kirche.

17. Oktober 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: Polizeibeamte stehen neben der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow tot in einem kleinen Teich in der Nähe von Klein Upahl gefunden wurde. | Quelle: Getty Images
Die Reaktionen der Eltern
Fabians Mutter wird nach der Nachricht von seinem Tod durch speziell geschultes medizinisches Personal betreut. Ihr Mann lehnt seelsorgerische Unterstützung ab.
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Dorina L. spricht in den folgenden Wochen mehrfach öffentlich. Dabei gibt sie Einblicke in einen Alltag, der für sie kaum noch zu bewältigen ist. „Ich hab eigentlich gar keine Kraft. Das ist eher von Tag zu Tag versuchen zu leben", sagt sie unter Tränen. Den Tod ihres Sohnes kann sie nicht begreifen:
„Ich weiß einfach nicht, wieso. Ich kann das nicht einmal Mensch nennen. Wie man dazu fähig sein kann."
Weihnachten, einst das liebste Fest des Jungen – er liebte es, gemeinsam den Baum zu schmücken – wird in diesem Jahr ohne Baum gefeiert. Die Erinnerungen sind zu präsent, der Schmerz zu nah.
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Der Verdacht richtet sich auf eine Bekannte
Was viele zunächst kaum glauben wollen: Die Frau, die die Leiche entdeckt und die Polizei alarmiert hat, ist niemand Fremdes. Es handelt sich um Gina H. (29) – die Ex-Freundin von Fabians Vater. Sie war rund vier Jahre mit ihm zusammen gewesen, die Trennung soll im Sommer 2025 erfolgt sein.
Noch am selben Tag, an dem sie den toten Fabian findet, gibt sie ein RTL-Interview. Mit zitternden Händen schildert sie ihren Fund:
„Fabian war wie ein eigenes Kind für mich. Ich war vier Jahre lang seine Ziehmama sozusagen. Ich habe ihn geliebt wie mein eigenes Kind. Dieses Bild, wie er da lag, werde ich nie mehr los."
Und: „Ich habe damit nichts zu tun!"

6. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Ein Ermittler geht während einer Hausdurchsuchung in Reimershagen mit Plastiktüten voller Sportschuhe über die Straße. | Quelle: Getty Images
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Fabians Mutter kann den Zufall nicht glauben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie da rein zufällig spazieren war – warum dort. Sie hat doch einen Wald vor der Tür. Da stimmt doch was nicht", sagt sie gegenüber RTL. Eine enge Freundin der Mutter formuliert es noch direkter:
„Das ist ja nun wirklich kein Spaziergängerweg."

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Eine Tatverdächtige (Mitte links) verlässt in Begleitung von Polizeibeamten ihre Wohnung. | Quelle: Getty Images
Wer ist Gina H.?
Gina H. ist in Reimershagen, einem kleinen Ort in der Nähe von Güstrow, aufgewachsen und dort den meisten Nachbarn bekannt – vor allem durch ihre Leidenschaft für Pferde. Nach einer schwierigen Kindheit wuchs sie bei ihren Großeltern auf, verlor später ihren Vater und stand nach der Trennung von Fabians Vater im August 2025 nach eigenen Angaben vor dem Nichts.
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Auf Instagram machte sie ihre emotionale Lage öffentlich. Sie schrieb: „Es ist Emotional und Psychisch sehr anstrengend für mich, da ich psychisch eh schon sehr vorbelastet bin, ist das ganze für mich Doppelt so schlimm nach 4 Jahren meinen Partner zu verlieren." An anderer Stelle: „Nun stehe ich wieder alleine da und habe alles verloren."
Die Traumatherapeutin Katharina Körner analysierte diese Beiträge für RTL: „Es zeigt einen Menschen, der in einer starken emotionalen und psychischen Krise steckt. Es zeigt sich eine massive Selbstwertproblematik – die eigene Identität ist an den Partner gekoppelt."

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Eine Tatverdächtige ist vor ihrem Wohnhaus zu sehen. Fast vier Wochen nach dem gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow wurde gegen eine Frau wegen dringenden Mordverdachts Haftbefehl erlassen. | Quelle: Getty Images
Das Bild, das sich aus ihrer Vergangenheit ergibt, ist vielschichtig. 2022 stand Gina H. vor dem Amtsgericht Güstrow – angeklagt wegen Diebstahls eines hochwertigen Pferdesattels im Wert von rund 4.000 Euro von einem Reiterhof. Der Sattel wurde bei einer Polizeidurchsuchung im Haus ihrer Großeltern gefunden.
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Da es ihre erste Straftat war, kam sie mit einer Geldstrafe von 380 Euro davon. Danach wurde sie aus dem Reitverein ausgeschlossen und erhielt Hausverbot auf dem Hof. Eine frühere Reitkollegin sagte der BILD:
„Sie war in der Persönlichkeit nie ganz einfach. Überraschend kamen die Nachrichten über ihre Festnahme für mich nicht."
Später arbeitete sie kurzzeitig in einem Reitsportgeschäft – auch dort soll sie wegen des Verdachts auf kleinere Diebstähle entlassen worden sein.
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Besonders brisant: Im Sommer 2025 soll Gina H.s Pferd namens Tiffy während einer Kutschfahrt bei großer Hitze kollabiert und gestorben sein. Laut Behörden vergrub sie das Tier anschließend auf ihrem Grundstück, anstatt es ordnungsgemäß durch eine Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgen zu lassen – was in Deutschland illegal ist.
Auch in ihren Online-Beiträgen zeigte sich Gina H. wechselhaft – zwischen Trauer, Verlust und einer auffälligen Bindungsintensität. Unter einem Foto ihres Pferdes Tiffy schrieb sie:
„Ein Leben mit ihm für die Ewigkeit.“
Für Ermittler und Psychologen liefert das ein Bild einer Frau, die offenbar emotionale Instabilität und Kontrollverlust erlebte.
Das Veterinäramt exhumierte das Tier und sorgte für die ordnungsgemäße Entsorgung. Das Gerücht, sie habe das Pferd verbrannt, wurde vom Landkreis Rostock offiziell widerlegt: „Das Pferd wurde nicht verbrannt."

Die Polizei beschlagnahmte auch ein Fahrzeug von Gina H. | Quelle: Getty Images
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Dennoch wächst der Verdacht der Ermittler. Ein Zeuge berichtet gegenüber RTL, Gina H. habe ihn bereits in der Nacht zum 14. Oktober – also noch vor dem offiziellen Leichenfund – an den Tümpel bei Klein Upahl geführt.
Dort habe er mit einer Taschenlampe einen Körper gesehen. Sie soll ihm gesagt haben: Es sei Fabian. Zudem soll sie in derselben Nacht eine weitere Person an den Fundort gebracht haben. Ihr Verteidiger Andreas Ohm wollte diese Angaben weder bestätigen noch dementieren.

Die Staatsanwaltschaft verkündet die Festnahme der Tatverdächtigen. | Quelle: Getty Images
Die Staatsanwaltschaft rekonstruiert: Am Tattag soll Gina H. mit ihrem auffälligen orangen Ford Ranger von Reimershagen nach Güstrow gefahren sein – eine Fahrt von rund 24 Minuten. Die Behörden gehen davon aus, dass Fabian um 10.50 Uhr die Wohnung verließ.
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Ein Zeuge will den Ranger gegen 12.30 Uhr in Klein Upahl gesehen haben. Die Überwachungskamera eines Geschäfts gegenüber von Fabians Wohnhaus wurde sichergestellt – ihre Auswertung könnte entscheidend sein. Laut Staatsanwaltschaft wurde die Tat zwischen 10.50 und 15 Uhr begangen.

Die Menschen in Güstrow gedenken dem ermordeten Fabian. | Quelle: Getty Images
Festnahme, Anklage und der Weg zum Prozess
Am 6. November 2025 – fast vier Wochen nach Fabians Tod – nimmt die Polizei Gina H. in Reimershagen fest. Rund 120 Einsatzkräfte sind bei der Durchsuchung mehrerer Objekte im Einsatz, ein Auto wird sichergestellt. Oberstaatsanwalt Harald Nowack bestätigt: Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts.
Mehrere Haftprüfungsanträge ihrer Verteidigung scheitern. Ihr Anwalt Andreas Ohm erklärt, die Beweislage basiere ausschließlich auf Indizien: „Eigentliche handfeste Beweise sind der Akte nicht zu entnehmen." Auch die Tatwaffe wurde bis zuletzt nicht gefunden.
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Nach Auswertung von rund 1.000 Spuren und Befragung von etwa 60 Zeugen erhebt die Staatsanwaltschaft Rostock schließlich Anklage. Der Vorwurf: heimtückischer Mord sowie Mord aus niedrigen Beweggründen. In der offiziellen Mitteilung heißt es, die Beschuldigte soll sich am Morgen des 10. Oktober zur Wohnanschrift des Jungen begeben und ihn „unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt" haben. Die Beschuldigte hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.
In den sozialen Netzwerken begleitet die Öffentlichkeit den Fall von Anfang an mit großer Aufmerksamkeit und Skepsis. Als bekannt wird, dass Wochen nach der Tat in der Nähe des Fundortes ein verkohlter Handschuh von einer Spaziergängerin entdeckt und an ein TV-Kamerateam übergeben wird – obwohl die Polizei das Gebiet bereits mehrfach durchsucht hatte – kommentiert ein Nutzer:
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„Ist ja schon komisch ausgerechnet als ein TV-Team dort dreht, findet jemand einen Handschuh."
Ein anderer schreibt schlicht: „Und die Polizei war unfähig, den zuvor zu finden??" Die Ermittler betonen, alle Hinweise würden geprüft – ob der Handschuh mit der Tat in Verbindung steht, bleibt offen. Weiter hieß es: „Da stimmt gewaltig was nicht."
Morgen beginnt der Prozess
Am 28. April 2026 beginnt vor dem Landgericht Rostock der Prozess. Nach dem Auftakt sind 16 weitere Termine bis Anfang Juli geplant. Für Dorina L. ist schon das Wissen darum eine enorme Belastung: „Gerade vor diesem Tag hat sie eine ganz, ganz große Angst", sagt Freundin Raffaela Jorga. Besonders fürchtet die Mutter den 30. April – den Tag, an dem sie selbst als Zeugin aussagen soll. „So einen Prozess kann man ja nicht üben", sagt sie zu RTL. Dennoch ist ihr Entschluss klar:
„Ich will für meinen toten Sohn stark sein."
Was morgen beginnt, ist mehr als ein Strafprozess. Es ist der Versuch, Antworten zu finden auf eine Frage, die eine Mutter, ein Vater und eine ganze Stadt seit Monaten nicht loslässt: Wie konnte das passieren?
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