
„Ist ja schon komisch“: Neue Erkenntnisse im Fall Fabian lösen eine Welle von Kritik im Internet und Fragen an die Polizei aus
Vier Wochen nach dem grausamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow sorgt ein neues Detail für Aufsehen – und für massive Diskussionen im Netz. Ein verkohlter Handschuh, der nur rund 100 Meter vom Fundort der Kinderleiche entdeckt wurde, wirft neue Fragen zur Polizeiarbeit auf.
Denn inzwischen mehren sich Hinweise, dass der Handschuh möglicherweise gar nicht dort gefunden wurde, wo er später schließlich auftauchte. Der Fund stammt von einer Spaziergängerin, die den Handschuh in einer schwarzen Plastiktüte verpackt an ein RTL-Kamerateam übergab.

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Ein Polizist hält eine Sonde in der Hand. Nach zahlreichen Hinweisen in „Aktenzeichen XY“ durchsucht die Polizei erneut mehrere Grundstücke in Reimershagen und der Umgebung. 06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern | Quelle: Getty Images
Das Team leitete das mutmaßliche Beweisstück an die Polizei weiter. Oberstaatsanwalt Harald Nowack bestätigte, dass der Handschuh kriminaltechnisch untersucht wird. Ob er tatsächlich angekohlt ist oder mit dem Mord an Fabian in Verbindung steht, sei derzeit völlig offen.
Nach Angaben der Ermittler wurde die Leiche des Jungen am 14. Oktober an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden – vier Tage nachdem Fabian verschwand. Der Körper war verbrannt, vermutlich um Spuren zu vernichten. Am 6. November nahmen die Ermittler eine 29-jährige Tatverdächtige fest: Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater. Sie hatte selbst am 14. Oktober den Leichnam entdeckt und schweigt seither zu den Vorwürfen. Sie sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

15. Oktober 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Am Rande der Innenstadt hängt ein Banner mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden – kleiner Fabian!“. | Quelle: Getty Images
Doch die Diskussion entzündet sich aktuell weniger an der Frage, wer der Täter sein könnte, sondern an der Frage, wie sicher die Spurensicherung arbeitete. Der Handschuh wurde erst Wochen nach der Tat von einer Spaziergängerin gefunden – obwohl die Gegend bereits mehrfach von Polizei und Spürhunden durchsucht worden war.
Nun steht eine zweite Aussage im Raum: Eine weitere Person will den gleichen Handschuh bereits Tage zuvor an einem völlig anderen Ort gesehen haben, ebenfalls an einer Stelle, an der Ermittler suchten. Oberstaatsanwalt Nowack erklärte gegenüber dem „Münchner Merkur“, dass auch dieser Hinweis geprüft wird. Sollte sich herausstellen, dass der Handschuh am ursprünglich gemeldeten Fundort gar nicht lag, wäre das eine erhebliche Panne – oder ein Hinweis darauf, dass das Beweisstück nachträglich dorthin gelangte.

Polizei | Quelle: Getty Images
Auch ein weiterer Fund wurde untersucht: Ein kleiner Reißverschlussanhänger mit dem Buchstaben „G“. Die Ermittler stellten jedoch fest, dass keine Verbindung zur Tat besteht. Dennoch sorgt allein die Tatsache, dass mehrere Gegenstände erst spät entdeckt wurden, für Kritik. Das Auffinden der Leiche, das anschließende Öffnen des Geländes für Spaziergänger sowie das spätere erneute Absperren hatten bereits Wochen zuvor viele Beobachter irritiert.
Online wächst nun die Sorge, dass Spuren am Tatort übersehen oder verfälscht worden sein könnten. Einige Nutzer äußern explizit Zweifel an der bisherigen Ermittlungsarbeit und stellen Fragen, die die Behörden bislang offenlassen.
In den sozialen Netzwerken machen besonders vier Kommentare die Runde – und sie zeigen, wie sehr das Vertrauen in die Ermittlungen ins Wanken geraten ist. Ein Nutzer schreibt:
„Jetzt wird es mir doch ein bisschen zu wild. Es wirkt, als wolle jemand von sich ablenken.“
Ein anderer formuliert deutlich:
„Ist ja schon komisch ausgerechnet als ein TV-Team dort dreht, findet jemand einen Handschuh, der dann der TV-Sprecherin übergeben wird … Nun ja, was wenn er nachher dort platziert wurde, um den Verdacht zu erhärten? Ich glaube nicht, dass die Polizei so was übersehen hat.“

06 November 2025, Mecklenburg-Western Pomerania, Rostock: Harald Nowack, senior public prosecutor and press spokesman for the Rostock public prosecutor's office, informs about new investigation results at a press conference four weeks after the violent death of eight-year-old Fabian from Güstrow. | Quelle: Getty Images
Auch der dritte Kommentar spricht Zweifel aus:
„Mal nur so eine Frage: Warum geht diese Frau an einen Ort, wo eine Kinderleiche gefunden wurde, und findet dann komischerweise noch Gegenstände, die angeblich zur Leiche gehören? Da war so viel Polizei im Einsatz. Das waren Profis, die hätten das auch gefunden. Das Ganze wirkt ein bisschen sehr komisch…“
Ein vierter Nutzer fasst die Kritik noch schärfer zusammen: „Und die Polizei war unfähig, den zuvor zu finden??“

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Eine Tatverdächtige (Mitte links) verlässt in Begleitung von Polizeibeamten ihre Wohnung. | Quelle: Getty Images
Für viele Bürger wirken die Abläufe zunehmend verwirrend. Die Ermittler betonen jedoch, dass alle Hinweise gründlich geprüft werden und es derzeit keinerlei gesicherte Erkenntnis über die Herkunft des Handschuhs gibt. Ebenso bleibt offen, ob es sich um ein echtes Tatobjekt handelt oder um eine falsche Spur.
Bis zur endgültigen Klärung gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Fall Fabian bleibt einer der erschütterndsten und rätselhaftesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre – und jeder neue Fund, jede widersprüchliche Aussage und jede Unklarheit sorgt für zusätzliche Fragen, statt für Antworten.
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