
Heino, , Ehefrau Hannelore Kramm, Petra Bell und Michael Rautenberg | Quelle: Getty Images
„Ich bin noch nicht darüber weg“: Heino spricht offen darüber, dass er nicht dabei war, als seine Frau und seine Tochter starben
Heino gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Stimmen Deutschlands. Mit seiner markanten Erscheinung, der dunklen Sonnenbrille und Liedern, die Generationen begleitet haben, ist er längst mehr als nur ein Sänger – er ist eine Institution. Doch hinter der öffentlichen Figur Heinz Georg Kramm, wie Heino mit bürgerlichem Namen heißt, stehen auch tiefe persönliche Verluste.
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In einer neuen TV-Dokumentation spricht der 87-Jährige nun so offen wie selten darüber, wie schmerzhaft ihn bis heute zwei Schicksalsschläge verfolgen: der Tod seiner Tochter Petra und der Tod seiner Ehefrau Hannelore. Besonders erschütternd ist dabei ein Umstand, der sich wie ein roter Faden durch beide Tragödien zieht: Heino war in beiden Momenten nicht an ihrer Seite. Diese Tatsache scheint ihn bis heute nicht loszulassen.

Heino bei 'Deutschland sucht den Superstar’. | Quelle: GettyImages
Der Schlag, der sein Leben veränderte, ereilte ihn im Jahr 2003 auf offener See. Heino befand sich damals auf einer Mittelmeerkreuzfahrt, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Tochter Petra erreichte. Sie wurde nur 35 Jahre alt. Rückblickend schildert der Sänger die Situation mit bedrückender Klarheit:
„Als wir ausliefen, bekam ich die Nachricht, dass meine Tochter sich das Leben genommen hat. Sie hatte die gleiche psychische Krankheit wie ihre Mutter. Das war das Schlimmste, was ich bis dato mitgemacht habe.“
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Es sind Worte, die zeigen, wie tief dieser Verlust in ihm nachwirkt. Petra litt nach seinen Angaben an einer schweren psychischen Erkrankung. Auch ihre Mutter, eine Jugendliebe Heinos, war Jahre zuvor gestorben. Für den Sänger bedeutete das nicht nur den Verlust seiner Tochter, sondern auch die schmerzhafte Wiederkehr eines familiären Dramas, das er schon einmal erlebt hatte.
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Trotz allem blieb Heino damals an Bord der „Costa Victoria“. Fünf Tage nach der Todesnachricht trat er sogar auf. Nach außen mag das wie eiserne Disziplin wirken, vielleicht auch wie ein Reflex eines Künstlers, der gelernt hat, selbst im Schmerz weiterzufunktionieren. Heino selbst erklärt diesen Schritt nüchtern und mit einer Mischung aus Pflichtgefühl und innerer Überzeugung:
„Ich habe das durchgezogen, mir blieb ja nichts anderes übrig. Ich konnte ja nicht sagen, jetzt will ich zurück mit dem Hubschrauber. Ich glaube, meine Tochter hätte auch gewollt, dass ich singe.“
Gerade in diesem Satz liegt ein Teil jener Haltung, die Heino über Jahrzehnte geprägt hat. Nicht stehen bleiben. Nicht zerbrechen. Weitermachen, auch wenn das Herz eigentlich stillstehen will. Doch dass ihn dieser Verlust nie wirklich losgelassen hat, wird heute umso deutlicher.
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Hinzu kommt die besondere Geschichte mit Petra. Lange wusste Heino gar nichts von ihrer Existenz. Erst Jahre nach ihrer Geburt wurde er mit dieser Wahrheit konfrontiert. Er erinnert sich daran mit Erstaunen, aber auch mit unverhohlener Ehrlichkeit:
„Einmal stand eine Frau mit einem blonden Kind vor mir nach einem Konzert und sagte: ‘Heino, das ist deine Tochter.’ Das Mädchen war da schon sieben Jahre alt, sie ist aus einer Liaison vor Beginn meiner Karriere entstanden, was später gerichtlich bestätigt wurde. Ich hatte es nicht gewusst – sonst hätte ich mich früher gekümmert.“
Auch an anderer Stelle sagt er deutlich: „Ich wusste ja lange nichts von meiner Petra. Das hat die Mutter mir auch nie gesagt. Ich war selbst erstaunt.“ Dass Vater und Tochter später dennoch ein inniges Verhältnis aufbauen konnten, macht die Geschichte umso bewegender. Aus einem späten Kennenlernen wurde offenbar eine echte Bindung. Vielleicht macht gerade das den Verlust noch schmerzhafter: dass so viele Jahre fehlten, die nie mehr nachgeholt werden konnten.
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Während Petra aus einer früheren Beziehung stammt, war Hannelore Kramm jahrzehntelang die Frau an Heinos Seite. 44 Jahre lang waren die beiden verheiratet. Hannelore war nicht nur Ehefrau, sondern Managerin, Vertraute, Weggefährtin und die große Konstante in einem Leben, das sonst von Öffentlichkeit, Reisen und Auftritten bestimmt war. Als sie 2023 starb, brach für Heino erneut eine Welt zusammen.
Auch diesmal war er nicht bei ihr. Neue Details zu Hannelores Tod zeigen, wie plötzlich alles geschah. Am Morgen ihres Todes hatte sie noch gut gelaunt mit ihrem Mann telefoniert. Dann trat unerwartet ein Herzstillstand ein. Heino konnte nicht zu ihr, weil er sich wegen einer Fernsehaufzeichnung in Berlin befand. Wieder fehlte ihm der letzte gemeinsame Moment. Wieder blieb nur die Nachricht.

Volksmusiksänger Heino und seine Frau Hannelore. | Quelle: GettyImages
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Wie tief ihn dieser Verlust trifft, zeigt ein Satz, den er heute mit erschütternder Offenheit sagt: „Es geht mir heute immer noch so wie am Tag, als sie gestorben ist. Ich bin noch nicht darüber weg.“ Es ist ein Bekenntnis, das man von jemandem wie Heino vielleicht nicht erwartet hätte – so direkt, so ungeschützt, so ohne die sonst übliche Fassade der Schlagerszene.
Dass er über Hannelore noch immer mit solcher Zärtlichkeit spricht, zeigt, wie groß diese Liebe gewesen sein muss. Für ihn war sie weit mehr als die Frau an seiner Seite. Sie war Heimat. Stabilität. Vielleicht sogar Schutzraum. Dass sie ausgerechnet an einem Tag starb, an dem sie noch miteinander gesprochen hatten, macht die Leere danach umso brutaler. Denn es gab kein Abschiedswort, keinen letzten Blick, keinen Moment des Innehaltens.
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Und doch versucht Heino, weiterzuleben. Anders als früher, leiser vielleicht, aber nicht ohne Hoffnung. Nach dem Tod Hannelores fand er Halt in einem neuen, ungewöhnlichen Familiengefüge. Heino lebt heute eng verbunden mit seinem Manager Helmut Werner, dessen Frau Nicole und ihrem kleinen Sohn Lennie. Diese Nähe scheint für ihn zu einer neuen Form von Geborgenheit geworden zu sein.
Schon kurz nach Hannelores Tod wurde sichtbar, wie wichtig dieses Umfeld für ihn ist. Heino schob einen Kinderwagen, in dem der kleine Lennie lag, und suchte Trost in diesem neuen Leben, das gerade erst begonnen hatte. Ausgerechnet in der Nähe eines Neuanfangs fand er Kraft für die Trauer. Dass Geburt und Tod hier so nah beieinanderlagen, bekam für ihn offenbar eine besondere Bedeutung.
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Heute sagt er selbst über dieses neue Kapitel: „Ich bin jetzt glücklich, es ist ein anderes Glücklichsein. Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er mir so eine Familie geschenkt hat.“ Es ist kein Glück, das den Schmerz auslöscht. Es ist kein Neuanfang, der die Vergangenheit ungeschehen macht. Es ist eher eine stille Form von Trost – das Wissen, nicht ganz allein zu sein.
Vielleicht ist genau das die berührendste Erkenntnis aus Heinos offenen Worten: Auch ein Mann, der seit fast 70 Jahren auf der Bühne steht, Millionen Menschen unterhalten hat und nach außen wie ein Fels wirkt, trägt Wunden in sich, die niemals ganz verheilen. Der Tod seiner Tochter Petra und der Verlust seiner Frau Hannelore sind zwei Brüche in seinem Leben, die sich nicht glätten lassen.
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Und doch erzählt Heino nicht nur von Schmerz, sondern auch von Bindung, Verantwortung und Dankbarkeit. Von einer Tochter, die er spät fand und früh verlor. Von einer Ehefrau, deren Tod ihn bis heute verfolgt. Und von einer neuen Familie, die ihm hilft, die Tage danach auszuhalten.
So wird aus der Geschichte des Volkssängers plötzlich etwas sehr Menschliches. Etwas, das mit Ruhm, Erfolgszahlen und Bühnenlicht nichts zu tun hat. Sondern mit Verlust, Schuldgefühlen, Erinnerung – und mit dem Versuch, trotz allem weiterzuleben.
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