
Tim Lobingers Tochter Fee ehrt ihn an seinem Todestag mit einer Haarspende
Der dritte Todestag von Tim Lobinger ist für seine Familie ein Moment des Innehaltens. Drei Jahre nach dem Tod des ehemaligen Weltklasse-Stabhochspringers sitzt der Verlust noch immer tief – besonders bei seiner Tochter Fee Lobinger-Onstein. Der 16. Februar ist für sie kein gewöhnlicher Tag, sondern einer, der Erinnerungen, Trauer und Dankbarkeit zugleich bündelt.
In diesem Jahr entschied sich die 30-Jährige jedoch bewusst dafür, den Jahrestag anders zu gestalten. Statt sich ausschließlich in die private Trauer zurückzuziehen, wollte sie ein Zeichen setzen – eines, das über die eigene Familie hinausreicht. Sie suchte nach einer Möglichkeit, den Schmerz in etwas Konstruktives zu verwandeln und gleichzeitig anderen Menschen Mut zu machen.

Deutsche Hallen Meisterschaften Karlsruhe 25.2.96, Tim Lobinger mit Tochter und Ehefrau Petra | Quelle: Getty Images
Ihre Wahl fiel auf eine sehr persönliche Geste: eine Haarspende. Damit wollte sie nicht nur an ihren Vater erinnern, sondern auch schwerkranken Kindern und Jugendlichen helfen, die durch Krankheiten ihre Haare verloren haben. Für Fee Lobinger-Onstein war schnell klar, dass der Todestag ihres Vaters der richtige Moment für diesen Schritt sein würde.

Fan-Kommentare | Quelle: instagram.com/p/DU0H7ljjNd0/c/18000092582722511/?hl=en
Über ihre Entscheidung sprach sie offen in den sozialen Medien und nahm ihre Community dabei mit. Auf Instagram veröffentlichte sie ein Video, in dem sie den gesamten Prozess dokumentierte – vom Entschluss bis zum Abschneiden ihrer langen Haare. Dazu schrieb sie:
„Heute vor drei Jahren ist mein Papa an Krebs gestorben. Dieses Jahr wollte ich den Tag nicht mit Trübsal verbringen, sondern etwas zurückgeben. Und ein kleines bisschen Hoffnung schenken. Also komm mit, wenn ich meine Haare spende.“
Im Video ist zu sehen, wie ihre bis zur Taille reichenden Haare zunächst zu einem festen Zopf geflochten werden. Anschließend nimmt sie auf dem Friseurstuhl Platz. Der Moment, in dem die Schere angesetzt wird, wirkt emotional – aber zugleich entschlossen.
„Der Zopf kommt dann in einen Umschlag und geht per Post an Max und sein Team von Haare-spenden“, erklärt sie weiter. Aus solchen Spenden werden später Perücken gefertigt – speziell für junge Menschen, die durch Krebs oder andere Erkrankungen ihr Haar verloren haben. Ihr Beweggrund ist dabei zutiefst persönlich:
„Ich hoffe, ich kann damit jemandem helfen, beim Blick in den Spiegel wieder zu lächeln.“
Am Ende richtet sie noch eine Botschaft an die unbekannte Person, die vielleicht eines Tages ihre Haare tragen wird: „Mein Papa würde dir jetzt sagen: ‚Verlieren ist keine Option‘.“
Dieser Satz ist mehr als nur ein Trost. Er steht symbolisch für die Haltung, mit der Tim Lobinger selbst durchs Leben ging. Der frühere Spitzensportler gehörte über Jahre zu den bekanntesten Stabhochspringern Deutschlands, wurde Welt- und Europameister in der Halle und prägte seine Disziplin nachhaltig.

Der deutsche Leichtathlet Tim Lobinger mit seiner Frau Petra und der Tochter Fee Kendra. Aufgenommen um 1996 | Quelle: Getty Images
2017 erhielt er die Diagnose einer besonders aggressiven Leukämie. Eine Stammzellenspende rettete ihm zunächst das Leben, zeitweise galt er sogar als krebsfrei. Doch 2022 kehrte die Krankheit zurück – mit voller Wucht. Lobinger sprach offen über Therapien, Hoffnungen und Rückschläge, machte seine Erkrankung öffentlich und wurde für viele Menschen zum Sinnbild von Kampfgeist.

Fee Lobinger-Onsteins Instagram-Beitrag | Quelle: instagram.com//fee.lobinger/?hl=en
Trotz seines sich verschlechternden Gesundheitszustands erlebte er noch bedeutende Familienmomente. Besonders bewegend war der Sommer 2022, als er seine Tochter Fee zum Altar führen konnte – ein Herzenswunsch, der sich noch erfüllte. Nur wenige Monate später starb er im Kreis seiner Familie im Alter von 50 Jahren.
Dass seine Tochter ihn nun mit einer Haarspende ehrt, wirkt wie eine stille Fortsetzung seines Vermächtnisses. Die Reaktionen im Netz zeigen, wie sehr die Aktion berührt: Zahlreiche Nutzer loben ihren Mut, ihre Offenheit und die Idee, Trauer in Hilfe für andere zu verwandeln.

Fee Lobinger-Onsteins Instagram-Beitrag | Quelle: instagram.com//fee.lobinger/?hl=en
So wurde aus einem schweren Jahrestag ein Tag der Hoffnung. Ein Tag, an dem Erinnerung nicht nur Schmerz bedeutet, sondern auch Mitgefühl – und die Möglichkeit, jemand anderem Kraft zu schenken.
Tim Lobingers Lebensmotto lebt damit weiter. Nicht im Stadion, sondern in einer Geste, die zeigt, wie aus Verlust Menschlichkeit wachsen kann.
