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Katharina Böhm | Quelle: Getty Images
Katharina Böhm | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm spricht offen über ihre Kindheit und eine große Tragödie

Nataliia Shubina
09. Jan. 2026 - 14:35

Für viele Fernsehzuschauer ist Katharina Böhm seit Jahren eine feste Größe. Als Hauptkommissarin Vera Lanz in der ZDF-Krimiserie Die Chefin verkörpert sie eine Frau, die Ruhe ausstrahlt, Verantwortung übernimmt und auch in Extremsituationen die Kontrolle behält. Ihre Figur steht für Stärke, Klarheit und moralische Standfestigkeit. Doch wer Katharina Böhm nur aus dieser Rolle kennt, sieht nur einen Teil ihrer Geschichte.

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Denn hinter der professionellen Souveränität verbirgt sich ein Lebensweg, der von ungewöhnlichen familiären Konstellationen, öffentlicher Aufmerksamkeit und einem Verlust geprägt ist, der bis heute nachwirkt. Katharina Böhm wuchs in einer Welt auf, die schon früh von Kunst, Freiheit und Prominenz bestimmt war – und musste gleichzeitig lernen, mit Schmerz, Anderssein und Vergänglichkeit umzugehen.

Katharina Böhm besucht die Premiere von „ARTistART“ des Circus Roncalli im Werksviertel München am 24. Oktober 2025 in München, Deutschland. | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm besucht die Premiere von „ARTistART“ des Circus Roncalli im Werksviertel München am 24. Oktober 2025 in München, Deutschland. | Quelle: Getty Images

Geboren wurde sie als Tochter zweier Schauspieler, die unterschiedlicher kaum hätten wahrgenommen werden können. Ihre Mutter war die polnischstämmige Schauspielerin Barbara Lass, ihr Vater der österreichische Filmstar Karlheinz Böhm, der durch seine Rolle als Kaiser Franz Joseph in den „Sissi“-Filmen zu einer Ikone des europäischen Kinos wurde. Für die Öffentlichkeit war Karlheinz Böhm ein Mythos, für Katharina war er vor allem ein berühmter Vater – mit all den Folgen, die das für ein Kind haben kann.

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Schon früh spürte Katharina, dass ihre Familie anders lebte als die der meisten ihrer Mitschüler. Das freigeistige, künstlerische Umfeld, in dem sie aufwuchs, war geprägt von Individualität, Offenheit und Unangepasstheit. Gleichzeitig bedeutete dieses Anderssein auch Sichtbarkeit – und damit Angriffsfläche. Besonders in der Schule wurde ihr bewusst, dass ihre Familie nicht in gängige Muster passte.

Katharina Böhm, ARD-Gala "Deutscher Fernsehpreis 2006", Köln, Deutschland, 20.10.2006 | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm, ARD-Gala "Deutscher Fernsehpreis 2006", Köln, Deutschland, 20.10.2006 | Quelle: Getty Images

In einem Interview erinnerte sie sich später sehr offen an diese Zeit:

„Ich hab schon ganz deutlich gemerkt, dass meine Eltern anders sind, als die der anderen. Wenn meine Mutter in einer durchsichtigen Indien-Bluse in meiner Schule einlief, wollte ich am liebsten im Erdboden versinken. Ich fand es toll, aber die anderen fanden es komisch. Und für meinen Vater, den ‚berühmten‘ Schauspieler, habe ich mir auch viele Hänseleien gefallen lassen müssen.“

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Diese Erfahrungen waren schmerzhaft. Als Kind wünscht man sich Anpassung, Normalität, Schutz. Stattdessen musste Katharina Böhm lernen, mit Blicken, Kommentaren und Spott umzugehen. Der Ruhm des Vaters wurde dabei weniger als Privileg empfunden, sondern als Belastung. Sie war nicht einfach ein Mädchen unter vielen, sondern „die Tochter von“. Diese Zuschreibung konnte einengen und verletzen.

Katharina Böhm, 2000 | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm, 2000 | Quelle: Getty Images

Doch Katharina Böhm betont, dass diese Verletzungen nicht das letzte Wort behielten. Mit zunehmendem Alter wandelte sich ihr Blick auf die eigene Kindheit. Aus Unsicherheit wurde Verständnis, aus Scham wuchs Stolz. Auf die Frage, ob sie diese Erfahrungen verletzt hätten, sagte sie später:

„Anfangs schon, aber irgendwann überwiegt das Gefühl, dass man besonders coole Eltern hat. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit und habe sehr viel Liebe und Unterstützung erfahren.“

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Eine entscheidende Rolle spielte dabei ihre Mutter. Nach der Trennung von Karlheinz Böhm wuchs Katharina überwiegend bei Barbara Lass auf. Die Mutter war für sie emotionale Heimat, Rückhalt und Orientierung. Während die Vaterrolle lange eher diffus blieb, war die Beziehung zur Mutter eng, intensiv und prägend. Barbara Lass vermittelte ihrer Tochter Offenheit, Sensibilität und das Gefühl, angenommen zu sein – unabhängig von äußeren Erwartungen.

Katharina Böhm, 1998 | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm, 1998 | Quelle: Getty Images

Nach der Scheidung heiratete Barbara Lass den Jazzmusiker Leszek Żądło. Katharina wuchs damit faktisch in einer Patchwork-Familie mit zwei Vaterfiguren auf. Diese Konstellation war nicht immer einfach, förderte aber früh ein differenziertes Verständnis von Familie. Nähe entstand nicht automatisch durch Rollen, sondern durch Verlässlichkeit und emotionale Präsenz.

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Umso einschneidender war der Moment, der Katharina Böhms Leben in ein Davor und Danach teilte. Mitte der 1990er-Jahre starb ihre Mutter völlig unerwartet an einer Hirnblutung. Sie war erst Mitte fünfzig. Für Katharina kam dieser Verlust aus dem Nichts. Sie war damals etwa 30 Jahre alt, beruflich erfolgreich und öffentlich präsent – privat jedoch brach ihre wichtigste Stütze weg. Noch heute spricht sie über diesen Moment mit großer Klarheit, ohne Pathos, aber mit spürbarer Tiefe:

„Es war wahnsinnig traurig, ein Albtraum. Ich habe sie total vermisst, weil wir sehr eng waren.“

Katharina Böhm, 1986 | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm, 1986 | Quelle: Getty Images

Der Tod der Mutter stellte alles infrage. In einer Phase, in der äußerlich Erfolg, Anerkennung und beruflicher Aufstieg dominierten, erlebte Katharina Böhm innerlich einen tiefen Einschnitt. Trauer war kein kurzer Ausnahmezustand, sondern ein Prozess, der Zeit brauchte und sie zwang, sich neu zu orientieren.

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Der Verlust machte ihr die Vergänglichkeit des Lebens schmerzhaft bewusst. Katharina Böhm entwickelte daraus eine klare Haltung: Sie möchte bewusst leben, ohne sich von Gedanken an das Ende lähmen zu lassen. Sie spricht offen darüber, dass sie nicht an einem langen Leben um jeden Preis interessiert sei, sondern an einem erfüllten. Diese Haltung ist nicht resigniert, sondern von Klarheit geprägt.

Katharina Böhm, Timothy Peach, TV-Serie: "Die Unzertrennlichen", 03.06.1996 | Quelle: Getty Images

Katharina Böhm, Timothy Peach, TV-Serie: "Die Unzertrennlichen", 03.06.1996 | Quelle: Getty Images

Beruflich setzte sie ihren Weg dennoch fort. Schon früh hatte sie vor der Kamera gestanden, später eine Schauspielausbildung in Wien absolviert und viele Jahre am Theater gearbeitet. Diese Zeit fernab des medialen Dauerlichts gab ihr Erdung und handwerkliche Sicherheit. Erst danach folgten zahlreiche Film- und Fernsehrollen, darunter Serien wie Das Erbe der Guldenburgs, Episoden im Tatort und schließlich der langfristige Erfolg mit Die Chefin.

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Dass sie sich immer wieder für Rollen mit innerer Tiefe entscheidet, ist kein Zufall. Katharina Böhm interessiert sich für Figuren mit Brüchen, Ambivalenzen und moralischen Konflikten. Vera Lanz ist keine makellose Heldin, sondern eine Frau, die Verantwortung trägt und dennoch zweifelt. Diese Vielschichtigkeit verleiht der Figur Glaubwürdigkeit – und spiegelt auch Böhms eigene Lebenserfahrung wider.

Christiane Hörbiger, Katharina Böhm, ZDF-Serie "Das Erbe der Guldenburgs", 1989 | Quelle: Getty Images

Christiane Hörbiger, Katharina Böhm, ZDF-Serie "Das Erbe der Guldenburgs", 1989 | Quelle: Getty Images

Privat blieb Familie ein zentraler Anker. Katharina Böhm ist Mutter eines Sohnes, Samuel Böhm, der selbst den Weg vor die Kamera gefunden hat. Er wurde unter anderem durch Miniaturen (2020), Friedmanns Vier (2021) und Eine Liebe später (2022) bekannt. Für Böhm ist das Muttersein kein Nebenprojekt, sondern bewusste Lebensaufgabe. Nähe, Verlässlichkeit und klare Grenzen sind Werte, die sie ihrem Sohn vermitteln möchte.

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Dabei profitiert sie von den Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit – sowohl von den positiven als auch von den schmerzhaften. Öffentlichkeit und Privates trennt sie bewusst. Ihr Ziel ist es, ihrem Sohn ein stabiles Umfeld zu bieten, das nicht von Erwartungen oder Projektionen bestimmt wird.

Die Schauspielerin Katharina Boehm besucht die NdF After Work Party im 8Seasons Club am 11. März 2009 in München, Deutschland. | Quelle: Getty Images

Die Schauspielerin Katharina Boehm besucht die NdF After Work Party im 8Seasons Club am 11. März 2009 in München, Deutschland. | Quelle: Getty Images

Über ihr Liebesleben spricht Katharina Böhm zurückhaltend. Die Beziehung zum Regisseur Rick Ostermann liegt viele Jahre zurück. Stattdessen betont sie, wie zufrieden sie mit sich selbst ist. Glück definiert sie nicht über Partnerschaft, sondern über innere Ruhe, Selbstakzeptanz und ein erfülltes Alltagsleben. Diese Haltung wirkt reflektiert und selbstbewusst, nicht defensiv.

Heute erscheint Katharina Böhm als eine Frau, die mit ihrer Geschichte im Reinen ist. Die ungewöhnliche Kindheit, der berühmte Vater, die enge Bindung zur Mutter und der schmerzhafte Verlust – all das hat sie geprägt, aber nicht gebrochen. Sie hat gelernt, Schmerz zu integrieren, ohne sich von ihm bestimmen zu lassen.

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Reinhold Elschot (ZDF) and actress Katharina Boehm attend the ZDF reception during the Munich Film Festival 2012 at the H'ugo's on July 3, 2012 in Munich, Germany. | Quelle: Getty Images Reinhold Elschot (ZDF) und Schauspielerin Katharina Boehm nehmen am 3. Juli 2012 in München am Empfang des ZDF während der Filmfestspiele München 2012 im H'ugo's teil. | Quelle: Getty Images

Reinhold Elschot (ZDF) and actress Katharina Boehm attend the ZDF reception during the Munich Film Festival 2012 at the H'ugo's on July 3, 2012 in Munich, Germany. | Quelle: Getty Images Reinhold Elschot (ZDF) und Schauspielerin Katharina Boehm nehmen am 3. Juli 2012 in München am Empfang des ZDF während der Filmfestspiele München 2012 im H'ugo's teil. | Quelle: Getty Images

Der Tod ihrer Mutter bleibt der prägendste Einschnitt ihres Lebens. Er hat ihr gezeigt, wie zerbrechlich Nähe ist und wie wichtig es ist, bewusst zu leben. Vielleicht ist es genau diese Erfahrung, die ihrer Arbeit jene leise Tiefe verleiht, die Zuschauer an ihr schätzen.

Katharina Böhm steht nicht für laute Inszenierung oder private Selbstentblößung. Sie steht für Reife, Reflexion und einen stillen Umgang mit Tragik. Ihre Geschichte ist kein Drama im klassischen Sinn, sondern ein Beispiel dafür, wie Verlust Teil eines Lebens wird – und wie daraus innere Stärke entstehen kann.

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