
Natascha Kampusch | Quelle: Getty Images
Natascha Kampusch erlitt zwei Jahrzehnte nach ihrer Flucht aus der Gefangenschaft einen „Zusammenbruch“ – ihre Schwester spricht über ihren aktuellen Gesundheitszustand
Fast 20 Jahre nach ihrer spektakulären Flucht aus der Gefangenschaft steht Natascha Kampusch erneut im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die heute 38-Jährige soll laut ihrer Familie einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch erlitten haben. Besonders ihre Schwester Claudia Nestelberger äußert nun große Sorge um den aktuellen Zustand der Österreicherin.
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Der Fall Kampusch gehört zu den bekanntesten Kriminalgeschichten Europas. 1998 wurde die damals zehnjährige Schülerin auf dem Weg zur Schule entführt und über Jahre hinweg in einem Kellerverlies festgehalten. Erst im August 2006 gelang ihr nach mehr als acht Jahren Gefangenschaft die Flucht. Seitdem versuchte Kampusch immer wieder, ein Leben in Freiheit aufzubauen – doch die Folgen der traumatischen Erfahrung begleiten sie bis heute. Natasha Kampush hatte einen „Zusammenbruch“.
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Nun berichtet ihre Familie von einer neuen schweren Krise. Laut ihrer Schwester hat sich Kampusch in den vergangenen Monaten stark verändert und ziehe sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. In einem emotionalen Statement beschreibt Claudia Nestelberger die Situation drastisch:
„Jeder weiß, wie Natascha früher vor der Kamera gesprochen hat. Das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr. Sie ist meist in einer eigenen Welt. Sie ist wieder in einer Art Gefangenschaft. Es ist herzzerreißend und wir fühlen uns hilflos.“
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Auch in anderen Aussagen wird deutlich, wie ernst die Lage offenbar ist. Die Familie spricht davon, dass Kampusch nach ihrem Zusammenbruch kaum noch so wirke wie früher. „Sie ist meist in ihrer eigenen Welt“, heißt es aus ihrem Umfeld. Für die Angehörigen ist diese Entwicklung besonders schwer zu ertragen, da sie die 38-Jährige einst als äußerst starke und reflektierte Persönlichkeit erlebt hatten.

Auf diesem undatierten Polizeifoto führt eine Tür von der Garage in einen versteckten Raum im Haus und Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort, Österreich | Quelle: Getty Images
Das Schicksal von Natascha Kampusch bewegte über Jahre hinweg Menschen auf der ganzen Welt. Nachdem sie 1998 entführt worden war, hielt ihr Peiniger Wolfgang Priklopil sie über acht Jahre lang in einem versteckten Kellerraum seines Hauses fest. Erst als junge Erwachsene gelang ihr schließlich die Flucht aus der Gefangenschaft. Ihr Entführer nahm sich kurz danach das Leben.
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Auf diesem undatierten Polizeifoto führt eine Tür hinter einem Schrank von der Garage in einen versteckten Raum des Hauses, in dem die entführte Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort, Österreich, gefangen gehalten wurde. | Quelle: Getty Images
Nach ihrer Befreiung wurde Kampusch schlagartig zu einer der bekanntesten Frauen Europas. Interviews, Bücher und öffentliche Auftritte machten sie zu einer prominenten Stimme im Umgang mit Trauma und Überleben. Gleichzeitig musste sie sich jedoch immer wieder mit Zweifeln, Spekulationen und teilweise harten öffentlichen Debatten über ihre Geschichte auseinandersetzen.

Auf diesem undatierten Polizeifoto sind das Haus und das Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort zu sehen. | Quelle: Getty Images
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Mehrere Untersuchungen internationaler Ermittler, darunter auch Experten des FBI und des deutschen Bundeskriminalamts, kamen jedoch stets zu demselben Ergebnis: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Kampusch die Unwahrheit über ihre Gefangenschaft erzählt hat.

Auf diesem undatierten Polizeifoto führt eine Falltür von der Garage in einen geheimen Raum im Haus und Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort, Österreich. | Quelle: Getty Images
Trotz dieser Bestätigung blieb der öffentliche Druck über viele Jahre hinweg hoch. Kampusch sprach später mehrfach darüber, wie sehr sie auch nach ihrer Befreiung mit Erinnerungen an die Zeit im Verlies zu kämpfen hatte. In einem Interview beschrieb sie eindrücklich, wie sich diese Situation damals für sie anfühlte.

Auf diesem undatierten Polizeifoto sind das Haus und das Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort zu sehen. | Quelle: Getty Images
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„Der Raum war relativ klein und auch fensterlos. So fühlt sich wahrscheinlich ein Schlachtvieh, das weiß, dass es in diesem gefliesten, sterilen Bereich getötet wird. Genauso habe ich mich gefühlt“, schilderte sie rückblickend.
Solche Erinnerungen zeigen, wie tief die traumatischen Erfahrungen bis heute wirken können. Selbst Jahre nach der Flucht berichtete Kampusch immer wieder davon, dass bestimmte Situationen oder Orte Erinnerungen an die Gefangenschaft auslösen können.

Auf diesem undatierten Polizeifoto führt eine Falltür von der Garage in einen geheimen Raum im Haus und Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort, Österreich. | Quelle: Getty Images
Der aktuelle Zusammenbruch wird nun auch in einer neuen Dokumentation thematisiert. Die Fernsehsendung mit dem Titel „Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ beschäftigt sich mit ihrem Leben seit der Entführung und versucht zu erklären, welche langfristigen Folgen das Trauma für sie hatte. Darin kommen Ermittler, Experten und Wegbegleiter zu Wort, die ihren Lebensweg über viele Jahre begleitet haben.
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Auf diesem undatierten Polizeifoto führt eine Falltür von der Garage in einen geheimen Raum im Haus und Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort, Österreich. | Quelle: Getty Images
Besonders brisant: Die Dokumentation erscheint rund um den 20. Jahrestag ihrer Selbstbefreiung. Genau zu diesem Zeitpunkt nimmt das internationale Medieninteresse wieder stark zu. Weltweit stellen Journalisten erneut Fragen zu ihrem Schicksal – eine Situation, die laut Familie zusätzlichen Druck erzeugt.
Aus diesem Grund entschied sich das Umfeld von Kampusch bewusst dazu, offen über ihren Zustand zu sprechen. Die Angehörigen wollen damit verhindern, dass neue Spekulationen über ihr Leben entstehen.

Auf diesem undatierten Polizeifoto verdeckt ein Schrank den Eingang von der Garage zu einem geheimen Raum in dem Haus und Versteck der entführten Natascha Kampusch in einem Wiener Vorort, Österreich. | Quelle: Getty Images
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Für ihre Familie bleibt die Hoffnung, dass sich die Situation irgendwann wieder stabilisiert. Trotz der aktuellen Krise erinnern viele Wegbegleiter daran, wie außergewöhnlich stark Kampusch über viele Jahre hinweg mit ihrem Schicksal umgegangen ist.
Doch der Fall zeigt auch, dass selbst Jahrzehnte nach einem traumatischen Erlebnis die seelischen Folgen nicht einfach verschwinden. Für Natascha Kampusch beginnt nun offenbar erneut ein schwieriger Abschnitt – begleitet von der Unterstützung ihrer Familie und der Hoffnung auf einen Weg zurück zu innerer Stabilität.
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