
„Das Schlimmste“: Der Vater des ermordeten Schaffners erleidet einen Herzinfarkt
Die Nachricht traf die Familie mit voller Wucht – und sie hinterließ nicht nur seelische, sondern auch körperliche Spuren. Der Tod von Serkan C. traf besonders seinen Vater schwer und sorgte für einen medizinischen Notfall.
Der Angriff auf den Schaffner Serkan C. hat ganz Deutschland bewegt. Als der Vater von Serkan C. vom brutalen Angriff auf seinen Sohn erfuhr, erlitt er einen Herzinfarkt. Während Ärzte um das Leben des 36-jährigen Zugbegleiters kämpften, musste auch sein eigener Vater medizinisch versorgt werden.
Seit Montagabend nach dem Angriff hatte die Familie im Krankenhaus ausgeharrt. Sie hoffte, betete und bangte um Serkan C., der nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung im Dienst schwer verletzt eingeliefert worden war.
Zwei Tage später dann die traurige Gewissheit: Der Familienvater überlebte seine schweren Kopfverletzungen nicht. Laut Obduktion starb er an einer Hirnblutung.
Für seine beiden Söhne, elf und 13 Jahre alt, zerbrach in diesen Stunden eine Welt. Als sie vom Angriff erfuhren, eilten sie sofort in die Klinik. Der Großvater schilderte später die dramatischen Momente:
„Es war das Schlimmste. Die Jungs mussten ihren Vater sterben sehen.“
Worte, die die Wucht dieses Verlustes nur erahnen lassen. Der Vater des Getöteten selbst wurde ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert. Der Schock über die Tat war für ihn zu viel.
Nach einem leichten Herzinfarkt musste er medizinisch behandelt werden. Zwei Tage später konnte er die Klinik wieder verlassen. Doch die körperliche Stabilisierung ändert nichts am seelischen Schmerz.
„Ich habe einen Bypass bekommen. Aber mein Sohn wird nicht wieder zurückkommen“, sagte er.
Serkan C. begann bei der Deutschen Bahn zu arbeiten, als er gerade mal 16 Jahre alt war. Kollegen beschreiben ihn als engagiert und gewissenhaft, Freunde als hilfsbereit und lebensfroh.
Auf Fotos präsentierte er sich stolz in Uniform – sein Beruf war für ihn mehr als nur Arbeit. Am Tattag betreute er eine Zugfahrt von Kaiserslautern nach Saarbrücken. Kurz nach der Abfahrt in Landstuhl eskalierte eine Ticketkontrolle.
Nach bisherigen Erkenntnissen schlug ein 26-jähriger Mann ohne gültigen Fahrschein mehrfach auf den Zugbegleiter ein. Serkan C. wurde in die Uniklinik Homburg gebracht, wo Ärzte um sein Leben kämpften. Zwei Tage später erlag er schließlich seinen Verletzungen.
Die Tat löste nicht nur in Ludwigshafen, dem Wohnort der Familie, Bestürzung aus. Rund 50 Freunde und Angehörige versammelten sich bei eisigen Temperaturen, um gemeinsam zu trauern. Die Frage nach dem „Warum“ steht im Raum – eine Antwort darauf gibt es bislang nicht.
Der mutmaßliche Täter, ein griechischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Luxemburg, befindet sich in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft liegen in Deutschland keine Vorstrafen vor. Die Ermittlungen dauern an. Der Mitbewohner des mutmaßlichen Täters sprach mit der BILD über den Vorfall und verriet:
„Ioanni war ein aggressiver Typ, hinter seiner Tür war es immer laut. Er hat sich mit einem anderen Mitbewohner angelegt, da bin ich dazwischengegangen“
Andere Mitbewohner gaben ebenfalls an, dass er immer wieder Probleme mit Beamten gehabt haben soll.
Für die Familie von Serkan C. ist der Verlust kaum in Worte zu fassen. Während juristische Fragen geklärt werden, bleibt für sie vor allem eines: die Leere, die ein geliebter Mensch hinterlässt – und die Gewissheit, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Wir berichteten über die tragische Tat:
Der gewaltsame Tod von Serkan C. hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Doch jenseits der nüchternen Berichte über eine eskalierte Fahrkartenkontrolle rückt vor allem ein anderes Bild in den Vordergrund: das eines Mannes, der als Vater, Freund und Kollege ein Leben führte, das von Fürsorge, Verantwortungsgefühl und außergewöhnlicher Herzenswärme geprägt war.
Seit über 15 Jahren arbeitete der 36-Jährige als Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn. In dieser Zeit galt er als verlässliche Konstante im Regionalverkehr. Kollegen beschreiben ihn als ruhig, deeskalierend und stets respektvoll im Umgang mit Fahrgästen – selbst in schwierigen Situationen. Wer mit ihm Dienst hatte, wusste: Serkan blieb besonnen, auch wenn andere laut wurden. Konflikte versuchte er zu entschärfen, nicht zu verschärfen.

Das Logo der Deutschen Bahn | Quelle: Getty Images
Sein enger Freund und Kollege Yunus erinnert sich: „Als Mensch würde ich ihn als einzigartig beschreiben. Er war sehr sympathisch. Wenn ich Probleme hatte, habe ich sie mit ihm geteilt. Wenn er Probleme hatte, hat er sie mit mir geteilt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt bei der Bahn.“

BERLIN, DEUTSCHLAND – 4. FEBRUAR: Der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder spricht vor der Presse, nachdem er an einer Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof teilgenommen hat, um des 36-jährigen türkischen Zugbegleiters Serkan C. zu gedenken, der in einem Zug von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen wurde | Quelle: Getty Images
Diese gegenseitige Loyalität sei typisch für Serkan gewesen. Er hörte zu, gab Ratschläge und stellte sich schützend vor andere – besonders vor jüngere Kollegen. Privat war seine größte Identität jedoch die des Vaters. Seine beiden Söhne Erdal (13) und Ali Ekber (11) waren sein Lebensmittelpunkt.
Als alleinerziehender Vater strukturierte er sein gesamtes Leben um sie herum. Früh aufstehen, Frühstück machen, Schule organisieren, arbeiten, danach Hausaufgaben, Einkaufen, Kochen – Freunde berichten, dass er diese Mehrfachbelastung nie als Bürde darstellte, sondern als Selbstverständlichkeit.
Er galt als liebevoll, geduldig und humorvoll im Umgang mit seinen Kindern. Er wollte ihnen Stabilität geben, Sicherheit – und Perspektive. Viele beschreiben ihn als „Kämpfer für seine Jungs“. Die Brutalität seines Todes trifft die Familie deshalb umso härter. Cousin Ergin C. schildert die dramatischen Stunden nach der Tat:
„Die Deutsche Bahn rief an und sagte, dass Serkan angegriffen wurde. Seit Montag war die Familie bei ihm im Krankenhaus.“
Auch seine beiden Jungs wachten am Krankenbett. „Sie haben ihren Vater sterben sehen, es war furchtbar.“ Diese Erfahrung habe die Familie tief erschüttert.

04. Februar 2026, Berlin: Ein Text an der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof erinnert an den verstorbenen Zugbegleiter „Serkan C.“ | Quelle: Getty Images
Auch im erweiterten Freundeskreis wird Serkan als außergewöhnlicher Mensch beschrieben. Sein Cousin Engin und Freund Yunus nannten ihn häufig ihren „Bruder“. Nicht nur wegen der familiären Verbindung, sondern wegen seiner Loyalität. Engin sagt:
„Er war ein glücklicher Mensch, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte.“
Dieses Lächeln wird immer wieder erwähnt. Es sei ehrlich gewesen, nie aufgesetzt. Selbst nach langen Schichten habe er Humor gehabt, andere aufgemuntert, statt über Müdigkeit zu klagen.
Was viele besonders hervorheben: seine Selbstlosigkeit. Serkan stellte seine eigenen Bedürfnisse oft zurück. Ein Beispiel, das Freunde bewegt schildern: Zu einem seiner letzten Geburtstage wünschte er sich keine Geschenke – stattdessen sammelte er Spenden für die Krebshilfe. Für ihn war Helfen selbstverständlich, nicht außergewöhnlich.
Seine Großzügigkeit zeigte sich auch im Alltag. Er half Nachbarn, unterstützte Freunde finanziell, wenn es nötig war, und engagierte sich im Kleinen – ohne Öffentlichkeit, ohne Aufmerksamkeit.

04. Februar 2026, Bayern, Nürnberg: Martin Burkert (M), Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft EVG, mit Mitgliedern der EVG und anderen Mitarbeitern der Deutschen Bahn während der Schweigeminute für einen getöteten Zugbegleiter. | Quelle: Getty Images
Die emotionale Wucht seines Verlusts wird in den Worten seiner Familie besonders deutlich. Engin beschreibt die Situation der Kinder: „Die zwei Kinder waren auch im Krankenhaus und sahen ihren eigenen Vater im Sterbebett. Noch schlimmer geht das nicht.“ Und weiter:
„Die Oma ist bei ihnen, die ganze Familie ist bei ihnen. Es ist schwer, weil wir den Vater nicht ersetzen können. Weil der Vater mit 36 Jahren gestorben ist. Wegen eines Tickets ist er gestorben. Wegen 60 Euro ist er gestorben. Das ist so sinnlos.“
Auch Yunus erinnert sich an den Moment, als er informiert wurde: „Das war für mich schrecklich. Ich war im Schock. Ich wusste nicht, wie ich das weiterleiten soll.“ Diese Aussagen zeigen, wie eng Serkan mit seinem Umfeld verbunden war. Er war nicht nur Kollege – er war Vertrauensperson, Zuhörer, Ratgeber.
Für seine Freunde steht fest, dass sein Andenken bewahrt werden muss. Gleichzeitig fordern sie Konsequenzen: „Wir wünschen uns, dass er hart bestraft wird. Wir wollen Gerechtigkeit“, so die Familie.
Doch jenseits juristischer Fragen bleibt vor allem die Erinnerung an einen Mann, der durch seine Persönlichkeit geprägt hat: ein ruhiger Vermittler im Beruf, ein aufopferungsvoller Vater zu Hause, ein Freund mit großem Herzen.
Serkan C. hinterlässt zwei Söhne – und eine Geschichte, die zeigt, wie viel Menschlichkeit hinter einer Uniform stecken kann. Sein Leben war geprägt von Verantwortung, Mitgefühl und stiller Großzügigkeit. Eigenschaften, die ihn für viele unersetzlich machen.
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