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29. Januar 2026, Nordrhein-Westfalen, Dormagen: Polizeiband, das an einem Holzpfosten hängt | Quelle: Getty Images
29. Januar 2026, Nordrhein-Westfalen, Dormagen: Polizeiband, das an einem Holzpfosten hängt | Quelle: Getty Images

„Yosef wurde in eine Falle gelockt“: Die Mutter des ermordeten Teenagers erinnert sich an sein komisches Verhalten vor seinem Tod

Tetiana Sukhachova
05. Feb. 2026 - 20:12

Ein 14-jähriger Junge wird tot an einem See in Dormagen aufgefunden. Ermittler und Familie rätseln um die Hintergründe der Tat.

Der Waldsee in Dormagen wirkt an diesem Morgen still. Das Wasser liegt ruhig, doch für Lilly ist dieser Ort voller Schmerz. Sie steht am Ufer, den Pullover ihres Sohnes an, und versucht zu begreifen, was geschehen ist.

29. Januar 2026, Nordrhein-Westfalen, Dormagen: Polizeiband, das an einem Holzpfosten hängt | Quelle: Getty Images

29. Januar 2026, Nordrhein-Westfalen, Dormagen: Polizeiband, das an einem Holzpfosten hängt | Quelle: Getty Images

Ihr 14-jähriger Sohn Yosef wurde hier tot aufgefunden. Seitdem kreisen ihre Gedanken immer wieder um die letzten Stunden vor seinem Verschwinden – und um Details, die ihr heute keine Ruhe lassen.

Noch ist unklar, wie der Jugendliche ums Leben kam. Spaziergänger hatten die Leiche des Teenagers entdeckt, Ermittler sprechen von einem mutmaßlichen Tötungsdelikt und ermitteln in alle Richtungen. Während die Polizei den genauen Ablauf rekonstruiert, beschäftigt Lilly vor allem eine Frage: Warum war ihr Sohn überhaupt an diesem See?

Yosef lebte gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester in einer Flüchtlingsunterkunft in Dormagen-Delhoven. Am Tag seines Verschwindens sei er ungewöhnlich nervös gewesen. Lilly erinnert sich, dass ihr Sohn hektisch auf seinem Handy schrieb, bevor er plötzlich die Unterkunft verließ. Er habe erklärt, er müsse zu einem Treffen seines Schützenvereins. Doch dieses Treffen fand nie statt.

29. Januar 2026, Nordrhein-Westfalen, Dormagen: Blick auf den Waldsee und die umliegende Wohngegend (Luftaufnahme mit einer Drohne) | Quelle: Getty Images

29. Januar 2026, Nordrhein-Westfalen, Dormagen: Blick auf den Waldsee und die umliegende Wohngegend (Luftaufnahme mit einer Drohne) | Quelle: Getty Images

Für seine Mutter passt dieses Verhalten nicht zu dem Jungen, den sie kannte. Yosef sei vorsichtig gewesen, eher ängstlich, besonders in der Dunkelheit. „Er würde nie alleine in der Dunkelheit am See sein. Dafür ist er viel zu ängstlich“, sagt Lilly. Für sie steht deshalb fest: „Yosef wurde in eine Falle gelockt.“

Was sie zusätzlich beschäftigt, ist der Zeitpunkt des Geschehens. Nach bisherigen Erkenntnissen war Yosef bereits vor Einbruch der Dunkelheit am See. Seine Leiche wurde noch am selben Tag gegen 17 Uhr entdeckt.

Der Körper wies zahlreiche Verletzungen auf. Für Lilly wirft das weitere Fragen auf. Sie ist überzeugt, dass ihr Sohn versucht hätte zu fliehen, wenn er eine Gefahr gespürt hätte. Yosef sei sportlich gewesen, habe gut schwimmen und schnell laufen können.

Auch Menschen aus dem Umfeld der Familie teilen diese Zweifel. Eine Freundin von Lilly äußerte die Vermutung, dass Yosef möglicherweise überrascht oder festgehalten wurde. Ob es tatsächlich so war, ist Teil der laufenden Ermittlungen.

Die Polizei prüft derzeit verschiedene Szenarien. Noch fehlt jede Spur von Yosefs Mobiltelefon, ebenso gibt es bislang keine Hinweise auf eine mögliche Tatwaffe.

Wie aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, gilt auch für die Polizei die Möglichkeit, dass der Jugendliche gezielt an den See gelockt wurde. Am Tatort sichern Einsatzkräfte weiterhin Spuren, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Während die Ermittlungen andauern, ist die Anteilnahme groß. Freunde und Mitschüler haben am Eingang des Sees Blumen, Briefe und Kuscheltiere niedergelegt. Die Botschaften sind voller Trauer und Liebe. Yosef wird darin als fröhlicher Junge beschrieben, der andere zum Lachen bringen konnte und in seiner Klasse beliebt war.

Für Lilly bleibt der Verlust unbegreiflich. Während sie am Ufer steht, hofft sie vor allem auf eines: Antworten darauf, was ihrem Sohn in seinen letzten Stunden widerfahren ist – und darauf, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Wir berichteten bereits über den tragischen Vorfall:

Der Tod des 14-jährigen Yosef aus Dormagen hat eine ganze Stadt erschüttert. Der Junge wurde leblos am Waldsee gefunden. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, während Familie, Freunde und Vereine um einen Jugendlichen trauern, der als offen, beliebt und voll integriert galt.

Am späten Mittwochnachmittag entdeckten Spaziergänger am Ufer des Waldsees im Dormagener Stadtteil Hackenbroich einen leblosen Körper. Gegen 17 Uhr alarmierten sie die Polizei, ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Jugendlichen feststellen.

Schnell übernahm eine Mordkommission die Ermittlungen, Einsatzkräfte sicherten bis in die Nacht hinein Spuren. Taucher, Spürhunde und Kriminaltechniker durchkämmten das Gelände, doch viele Fragen blieben offen. Auf wen Yosef am Waldsee traf, warum er sich überhaupt am See aufhielt und was das Tatmotiv war, ist weiterhin unklar.

Mit der nun abgeschlossenen Obduktion verdichtete sich das Bild eines schweren Gewaltverbrechens. Polizei und Staatsanwaltschaft melden folgende Ergebnisse:

„Im Zuge der Obduktion des 14-jährigen Geschädigten konnten sowohl Stich- als auch Schnittverletzungen festgestellt werden. Ausweislich des Ergebnisses der Obduktion ist der Geschädigte infolge dieser Stich- und Schnittverletzungen verstorben, sodass Polizei und Staatsanwaltschaft nunmehr sicher von einem Tötungsdelikt ausgehen“.

Laut Medienberichten hätten Ermittler im Zusammenhang mit Yosefs Leiche gar von einer „Hinrichtung“ gesprochen.

Yosef stammte ursprünglich aus Eritrea und lebte seit mehreren Jahren mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in Dormagen. Er besuchte eine Schule im Stadtteil Hackenbroich, war Klassensprecher und engagierte sich in mehreren Vereinen. In der Stadt galt er als offen, freundlich und voll integriert.

Besonders eng war seine Verbindung zum Vereinsleben. Er spielte Fußball, war im Schützenverein aktiv. Ein Verein beschrieb ihn folgendermaßen:

„Y. war ein äußerst beliebter Junge, der nicht nur im Verein, sondern auch in der ganzen Dorfgemeinschaft hochgeschätzt wurde. Sein strahlendes Lächeln und sein außergewöhnlicher Teamgeist haben ihn zu einem wertvollen Mitglied in unserem Verein gemacht“.

Umso rätselhafter erscheinen die Umstände seines Todes. Seine Mutter äußerte Zweifel daran, dass ihr Sohn freiwillig allein am See gewesen sein könnte. „Er würde nie alleine in der Dunkelheit am See sein. Dafür ist er viel zu ängstlich“, sagte sie und deutete an, dass Yosef möglicherweise gezielt dorthin gelockt wurde.

Die Anteilnahme in Dormagen ist groß. Tausende Menschen nahmen an einem Trauermarsch teil, Schule, Stadt und Vereine bereiten eine öffentliche Gedenkfeier vor, die am 6. Februar stattfinden soll.

Die Ermittlungen in dem Fall laufen unterdessen weiter in alle Richtungen. Polizei und Staatsanwaltschaft hoffen weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung, um die Umstände der Tat aufzuklären. Für entscheidende Hinweise, die zur Ermittlung des Täters oder der Täter führen, wurde eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt.

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