logo
StartseiteNews
Polizei-Schild | Quelle: Getty Images
Polizei-Schild | Quelle: Getty Images

In einem Schrank eingesperrt und ausgehungert: Eltern eines 3-Jährigen in Tirol wegen Mordes angeklagt

Natalia Shubina
12. Nov. 2025 - 13:18

Innsbruck – Es ist einer der grausamsten Kindsmisshandlungsfälle der vergangenen Jahre in Österreich: Ein dreijähriger Bub aus dem Tiroler Bezirk Kufstein soll über Monate hinweg gequält, gefesselt und schließlich zu Tode ausgehungert worden sein.

Werbung

Die 27-jährigen Eltern des Kindes wurden nun von der Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen Mordes angeklagt. Der kleine Junge starb im Mai 2024 – am Pfingstsonntag – an den Folgen von Hunger und Durst.

Polizeibeamte arbeiten am Tatort | Quelle: Getty Images

Polizeibeamte arbeiten am Tatort | Quelle: Getty Images

Nach den Ermittlungen der Justiz hatten Vater und Mutter ihren Sohn über längere Zeit schwer misshandelt. Der Bub sei regelmäßig geschlagen, gefesselt, eingesperrt und gezielt unterernährt worden. In der Wohnung der Familie im Ort Ebbs (Bezirk Kufstein, nahe der bayerischen Grenze) wurde das Kind laut Anklage tagelang nackt in eine Schublade gesperrt, häufig ohne Licht, Kleidung oder Nahrung. Als der Dreijährige schließlich starb, wog er nur noch etwa sieben Kilogramm – nicht einmal die Hälfte des für sein Alter üblichen Gewichts.

Polizeiauto, das an einem weißen Gebäude geparkt ist. | Quelle: Getty Images

Polizeiauto, das an einem weißen Gebäude geparkt ist. | Quelle: Getty Images

Werbung

Sadistische Gewalt und Aberglaube

Die Eltern sollen ihr Kind über Monate hinweg vollständig vom Familienleben isoliert haben. Sie hätten ihn „entmenschlicht, erniedrigt und verängstigt“, heißt es in der Anklageschrift. Der Bub wurde mit einem Kochlöffel geschlagen, an Händen und Füßen mit Kabelbindern gefesselt und ihm wurden teilweise die Augen verbunden. Mehrfach sei er an Wasserarmaturen im Badezimmer angebunden und mit eiskaltem oder sehr heißem Wasser abgeduscht worden. Um seine Schreie zu unterdrücken, klebten ihm die Eltern den Mund zu.

Schlafen musste das Kind nackt auf einem Lattenrost ohne Matratze. Häufig sperrten ihn die Eltern über Stunden – manchmal tagelang – in eine Schublade, wo er in seinen eigenen Exkrementen liegen musste. Zeitweise habe der Bub täglich bis zu 22 Stunden eingesperrt verbracht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebte die Familie in finanziell schwierigen Verhältnissen und hatte sich in eine „mystische Scheinwelt“ geflüchtet. Vater und Mutter glaubten, ihr Sohn sei von einem Dämon besessen, der für ihr Unglück verantwortlich sei. Diesen Dämon hätten sie „schwächen und vernichten“ wollen. Laut psychiatrischem Gutachten sind beide Eltern zurechnungsfähig, leiden jedoch unter einer sadistischen Persönlichkeitsstörung.

Werbung
Polizei | Quelle: Getty Images

Polizei | Quelle: Getty Images

Digitale Spuren der Folter

Die Anklage stützt sich auf Chatnachrichten, E-Mails, Fotos und Videoaufnahmen, die das Paar selbst angefertigt hatte. Über WhatsApp und E-Mail sollen sich die beiden regelmäßig über die Misshandlungen ausgetauscht und einander bestärkt haben, dass der Junge „vernichtet werden müsse“. Teilweise verfolgten sie die Qualen ihres Sohnes über eine Überwachungskamera in Echtzeit, wie die Ermittler mitteilten.

Um die Taten vor Verwandten zu verbergen, täuschte der Vater gegenüber seinen Eltern vor, dem Buben gehe es gut. Bei Besuchen nahm er nur die drei Schwestern des Kindes mit – eine fünfjährige, eine zweijährige und eine Zwillingsschwester. Die Mädchen wurden nach Bekanntwerden der Tat in Pflegefamilien untergebracht.

Werbung
Polizei | Quelle: Getty Images

Polizei | Quelle: Getty Images

Geständnisse der Eltern

Sowohl Mutter als auch Vater befinden sich seit Mai 2024 in Untersuchungshaft in Innsbruck. Laut Staatsanwaltschaft haben beide die Taten gestanden. Die Mutter erklärte, sie habe geglaubt, „ein Dämon wohne im Kind“, und man müsse ihn aushungern. Der Vater zeigte sich reumütig, verweigerte jedoch detaillierte Angaben. Beide sollen ihre Verantwortung gegenseitig relativiert haben.

Das Kind sei „systematisch gequält und isoliert“ worden, heißt es in der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar Mord, Quälen und Vernachlässigen Minderjähriger sowie Freiheitsentziehung vor. Ihnen droht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft.

Mann mit Handschellen und zwei Detektiven | Quelle: Getty Images

Mann mit Handschellen und zwei Detektiven | Quelle: Getty Images

Werbung

Prozess und gesellschaftliche Erschütterung

Der Fall erschüttert Tirol und ganz Österreich. In der Gemeinde Ebbs, wo die Familie in einem Mehrparteienhaus lebte, zeigten sich Nachbarn entsetzt. Viele hatten das Kind zuletzt nicht mehr gesehen und glaubten, es sei bei Verwandten.

Das grausame Geschehen wurde erst durch eine ärztliche Untersuchung bekannt, nachdem die Eltern im Mai 2024 einen Notruf abgesetzt hatten – da war der Bub bereits tot. Ermittler fanden in der Wohnung eindeutige Beweise für monatelange Misshandlungen, darunter Kabelbinder, Aufnahmen und handschriftliche Notizen.

Ein Gerichtstermin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll das Verfahren vor dem Landesgericht Innsbruck stattfinden. Die Ermittler sprechen von einer „beispiellosen Brutalität“ und einem Fall, der selbst erfahrene Kriminalbeamte tief erschüttert habe.

Werbung
Werbung
info

gogirok.com unterstützt und fördert keine Formen von Gewalt, Selbstbeschädigung oder anderes gewalttätiges Verhalten. Wir machen unsere LeserInnen darauf aufmerksam, damit sich potentielle Opfer professionelle Beratung suchen und damit niemand zu Schaden kommt. gogirok.com setzt sich gegen Gewalt, Selbstbeschädigung und gewalttätiges Verhalten ein, gogirok.com plädiert deshalb für eine gesunde Diskussion über einzelne Fälle von Gewalt, Missbrauch, oder sexuelles Fehlverhalten, Tiermissbrauch usw. zum Wohl der Opfer. Wir ermutigen in diesem Sinne alle LeserInnen, jegliche kriminelle Vorfälle, die wider diesen Kodex stehen, zu melden.

Ähnliche Neuigkeiten

„Meine kleine Pummelbacke“: Die herzzerreißenden letzten Worte, die Fabians Mutter auf seinen Sarg geschrieben hat

06. Nov. 2025

Ermittler kommen zu diesem erschütternden Verdacht: Fabian könnte seinen Mörder „gut gekannt“ haben

22. Okt. 2025

Fabians Mutter schockiert darüber, wer die Leiche ihres Sohnes gefunden hat: „Warum musste sie mein Kind finden?“

20. Okt. 2025

Die Polizei durchsucht das Auto der Frau, die Fabian gefunden hat - die Ex-Freundin seines Vaters

06. Nov. 2025

Die Mutter des 8-jährigen Fabian hat die Journalisten um was Ungewöhnliches gebeten

28. Okt. 2025

Schockierende Wendung: Die Leiche von Fabian (8) wurde von der Ex-Freundin seines Vaters gefunden

17. Okt. 2025

Aufnahmen aufgetaucht: Polizei durchsucht die Wohnung des Hauptverdächtigen im Fall Fabian – Video

11. Nov. 2025

Erstes Verhör des festgenommenen Verdächtigen im Fall Fabian

07. Nov. 2025

„Wir werden sozusagen an der langen Leine gelassen“: Fabians Tante spricht bei seiner Beerdigung über die Ermittlungen

31. Okt. 2025

Mordfall Fabian: Neues Beweisstück vom Tatort aufgetaucht

10. Nov. 2025

Fabians Mutter erhebt Vorwürfe gegen die Polizei – Staatsanwaltschaft gibt Fehler zu

28. Okt. 2025