
Patrice Aminati nimmt am 6. Dezember 2025 in Berlin an der „Ein Herz für Kinder“-Gala im Studio Berlin Adlershof teil | Quelle: Getty Images
Patrice Aminati äußert sich zum deutschen Gesundheitssystem: „Das ist unfassbar“ – Video
Wenn Patrice Aminati über ihre Krankheit spricht, klingt das selten nach allgemeinen Floskeln. Meist geht es um konkrete Dinge: Tage im Bett, Therapien, Nebenwirkungen, Angst – und den Versuch, trotz allem weiterzumachen. Genau deshalb hatte ihr Auftritt bei „hart aber fair“ besondere Wucht. Denn dort sprach die 30-Jährige nicht nur über ihr eigenes Leben mit Krebs, sondern auch über ein System, von dem Menschen wie sie jeden Tag abhängig sind.
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Im Zentrum der Sendung stand die Frage, wie das deutsche Gesundheitssystem mit steigenden Kosten umgehen soll. Mehr als 16 Milliarden Euro sollen nach den vorliegenden Quellen bis 2027 in der gesetzlichen Krankenversicherung eingespart werden, um die Beiträge zu stabilisieren. Für Patrice Aminati war das keine abstrakte Reformdebatte. Sie saß dort als Betroffene – als Frau, die seit über drei Jahren mit schwarzem Hautkrebs lebt, im Stadium 4, unheilbar.
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Schon zu Beginn machte sie klar, in welcher Lage sie sich befindet. Medikamente hielten sie am Leben, sagte sie, und diese Realität verlieh allem, was danach kam, zusätzliches Gewicht. Denn wenn über Einsparungen im Gesundheitswesen gesprochen wird, geht es für viele Zuschauer womöglich um Zahlenkolonnen. Für Patrice Aminati geht es um Vorsorge, Therapie und die Frage, wie viele Menschen künftig vielleicht erst dann ernst genommen werden, wenn es längst zu spät ist:
„Ich werde dank Medikamenten künstlich am Leben erhalten“
Besonders deutlich wurde das am Beispiel des Hautkrebsscreenings. Berichten zufolge stand im Raum, dass eine Streichung des seit 2008 bestehenden Screenings jährlich rund 240 Millionen Euro sparen könnte. Für Aminati war das der falsche Ansatz. Sie argumentierte, dass sich gerade durch frühe Vorsorge langfristig Kosten sparen ließen – und vor allem Leid verhindert werden könnte. Sie sprach auch darüber, dass sie ihr eigenes Risiko früher unterschätzt habe und nicht wolle, dass andere denselben Fehler machen.
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Erst im Verlauf der Sendung wurde klar, dass das Screening nach Aussage des CDU-Gesundheitspolitikers Hendrik Streeck nicht gestrichen, sondern auf seine Wirksamkeit hin überprüft werden solle. Auch Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen versicherte, dass die Früherkennung nicht abgeschafft werde. Für Aminati war das offenbar ein wichtiger Moment der Entlastung.
Dass sie das Thema so ernst nimmt, hat mit ihrer eigenen Erfahrung zu tun. In anderen Interviews und Videos spricht Patrice Aminati offen darüber, wie sehr ihr Alltag von der Krankheit bestimmt wird. Sie sagt, die Therapien würden ihr stark zusetzen, und beschreibt Tage, an denen sie das Haus nicht verlassen will, weil sie einfach nur im Bett liegen kann.
Mal sei sie kämpferisch, mal fühle sie sich vollkommen erschöpft und allein. Vor diesem Hintergrund traf sie in der Sendung noch ein anderer Punkt besonders. Es ging um die Finanzierung von Arztpraxen und um die Aussage, dass Ärzte in manchen Regionen nach Ausschöpfen ihres Budgets für gesetzlich Versicherte zeitweise praktisch nichts mehr verdienen würden. Aminati reagierte darauf sichtbar empört. „Das ist unfassbar“, sagte sie. Und sie legte nach: Dass es für Ärztinnen und Ärzte dann keine Bezahlung mehr gebe, sei „unmöglich“.
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Damit sprach sie etwas an, das in der Debatte oft zu kurz kommt: Ein Gesundheitssystem funktioniert nicht nur über Medikamente und Kliniken, sondern auch über die Menschen, die darin arbeiten. Wenn Praxen unter finanziellem Druck stehen, trifft das am Ende auch Patienten. Genau an diesem Punkt verließ Aminati die reine Betroffenenrolle und stellte eine politische Frage: Wo kann überhaupt sinnvoll gespart werden, ohne Versorgung zu verschlechtern?
Einen eigenen Vorschlag hatte sie ebenfalls. Man könne, so ihre Überlegung, bei der Zahl der gesetzlichen Krankenkassen und damit beim bürokratischen Aufwand ansetzen. Dass ihr dieser Gedanke wichtig ist, passt zu ihrer Haltung insgesamt: Sie will nicht nur über ihre Krankheit reden, sondern auch darüber, was sich für andere verbessern müsste.
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Am Ende der Sendung blieb daher nicht nur ihr persönlicher Kampf gegen den Krebs im Gedächtnis, sondern auch ihr Blick auf ein System, das für viele Menschen existenziell ist.
Sie zeigt sich kämpferisch
Ihre Follower hält Aminati immer wieder auf dem Laufenden. Erst kürzlich gab sie ein emotionales Update zu ihrem derzeitigen Zustand und verriet, wie es ihr wirklich ging. Obwohl sie versuche, durchzuhalten, sei man irgendwann einfach „unfassbar erschöpft“.
Dabei scheut sie sich auch nicht, ehrlich zu sein und versteckt die unschönen Seiten ihres Kampfes nicht vor der Öffentlichkeit. Sie verriet weiter, wie hart ihr täglicher Kampf ist:
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„Irgendwann war ich lebensmüde [...] An einem Tag ist man kämpferisch. Am nächsten Tag denkt man: 'Ich bin so einsam und ich bin der einzige Mensch, dem es so geht.'“
Besonders getroffen hat die Internetnutzer ein Satz, der das Ausmaß des Stresses illustriert, dem die junge Mutter tagtäglich gegenübersteht. Während sie weiter tapfer gegen den Krebs ankämpft – für sich und für ihre kleine Tochter – hat sie nur einen einzigen Wunsch:
„Ich möchte einfach gerne weiterleben“
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