
Feuerwehr | Quelle: facebook.com/FW.Grevenbroich
„Das ist das Schlimmste“: Leiche einer 16-Jährigen aus einem Fluss in Grevenbroich geborgen
Flüsse wie die Erft wirken harmlos – ruhig, flach, beliebt bei Anglern und Kanufahrern. Wer an einem warmen Frühlingstag an ihren Ufern entlangläuft, sieht plätscherndes Wasser und kaum eine Spur von Gefahr. Doch Strömungen unterhalb der Wasseroberfläche können tödliche Fallen sein, unsichtbar und ohne Vorwarnung. Für ein 16-jähriges Mädchen aus Grevenbroich endete ein Nachmittag mit Freunden am Wasser am Donnerstag mit dem Tod.
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Der Donnerstagnachmittag begann wie viele andere in diesem Frühling. Eine Gruppe Jugendlicher zog es bei steigenden Temperaturen an die Erft bei Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss. Sie gingen ins Wasser – so wie es Teenager in diesem Alter tun, unbekümmert und voller Lebensfreude.
Dann, gegen 14 Uhr, versank die 16-Jährige plötzlich in dem Fluss. Sie tauchte nicht mehr auf. Die anderen Jugendlichen, die das Geschehen mit eigenen Augen verfolgten, alarmierten sofort den Notruf – fassungslos und in Panik.
Was folgte, war ein Großeinsatz der Feuerwehr Grevenbroich. Strömungsretter, Taucher der Neusser DRK-Wasserwacht und weitere Einsatzkräfte aus der näheren Umgebung rückten innerhalb kürzester Zeit aus. Sie suchten das Gewässer nahe der Brücke der K10 systematisch ab. Insgesamt waren rund 70 Personen an der Suche beteiligt.
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Polizeibeamte arbeiten am Tatort | Quelle: Getty Images
Die Hoffnung, das Mädchen noch lebend zu finden, schwand mit jeder verstrichenen Minute. Knapp zwei Stunden nach dem Notruf bargen Taucher schließlich die Leiche der Jugendlichen aus dem Fluss. Eine Notärztin konnte am Ufer nur noch den Tod des Mädchens feststellen. Für die Retter war es das bittere Ende eines verzweifelten Einsatzes.
Die Angehörigen und die anderen beteiligten Jugendlichen wurden während des Einsatzes in der Feuerwache von Notfallseelsorgern betreut. Wie es genau zu dem Unglück kommen konnte, ist bislang unklar. Ob das Mädchen abgerutscht ist, einen Krampf erlitt oder von einer Unterströmung erfasst wurde, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, die unmittelbar nach dem Unglück aufgenommen wurden.

Zwei Polizeibeamte stehen vor der Weill-Synagoge | Quelle: Getty Images
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Die Erft gilt bei vielen Anwohnern nicht als besonders gefährlicher Fluss. Wer das Gewässer kennt, denkt an Freizeitangler, Kanufahrer und gemächlich fließendes Wasser. Die trügerische Ruhe an der Oberfläche verdeckt jedoch, was darunter lauert: Unterströmungen, die selbst erfahrene Schwimmer in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können. Genau diese unsichtbare Gefahr dürfte viele Menschen in der Region nun mit anderen Augen auf den Fluss schauen lassen.

Polizei | Quelle: Getty Images
Der Tod der Jugendlichen löste in den sozialen Netzwerken eine breite Welle der Anteilnahme aus. Hunderte Menschen kommentierten die Berichte, viele von ihnen fassungslos und tief bewegt.
Besonders auffällig: Viele Nutzer erkannten sich selbst in der Situation der Jugendlichen wieder – und erinnerten sich daran, wie selbstverständlich man in diesem Alter solche Dinge tut.
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Polizei | Quelle: Getty Images
Ein Anwohner aus Grevenbroich, der nach eigenen Angaben in der Nähe der Erft wohnt, beschreibt das trügerische Bild des Flusses:
„Da man da auch oft Menschen am Ufer stehen sieht, die teilweise mit Angelmonturen knietief im Wasser stehen oder auch mal Kanus vorbeikommen, kann man den Jugendlichen, die da baden wollten, nicht verdenken, dass sie die Gefahr nicht erkannt haben oder unterschätzt haben."
Er ergänzt nachdenklich: „Ich selber hätte ehrlich gesagt deshalb auch nicht vermutet, dass die Erft so gefährliche und starke Unterströmungen hat. Mein Beileid für die Angehörigen und ich wünsche allen Beteiligten viel Kraft, alles zu verarbeiten."

Polizei | Quelle: Getty Images
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Andere Nutzer erinnern sich an die eigene Jugend – und daran, wie wenig man in diesem Alter an Konsequenzen denkt. „Selbst wenn sie tatsächlich schwimmen war und nicht abgerutscht ist... sie war 16 Jahre alt", schreibt ein Nutzer. „In dem Alter habe ich das auch mit Freunden gemacht, Spaß gehabt und nicht an Konsequenzen gedacht. Es ist einfach unfassbar traurig. Viel Kraft den Angehörigen."
Viele Kommentare sind auffallend kurz – als würden Worte schlicht fehlen angesichts der Tragödie. „Mein Beileid der Familie", schreibt ein Nutzer. Und dann, in drei Worten, was viele denken: „Das ist das Schlimmste."
Zurück bleiben Freunde, die am Ufer standen und hilflos zuschauen mussten, wie ihre Begleiterin nicht mehr auftauchte. Eine Familie, die auf ein Kind wartet, das nicht mehr nach Hause kommt. Und Einsatzkräfte, die 70 Mann stark alles versucht haben – und es dennoch nicht verhindern konnten. Der Frühling an der Erft wird in Grevenbroich in diesem Jahr anders in Erinnerung bleiben.
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