
"Das langt jetzt": Der 95-jährige Mario Adorf gibt eine traurige Erklärung zu seinem Lebensende ab
Es sind Worte, die berühren und erschüttern: Mario Adorf, der letzte große Charakterdarsteller des deutschen Kinos, hat sich im Alter von 95 Jahren mit einer ungewöhnlich offenen und traurigen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt.
„Es gab einen Punkt, an dem ich dachte: ‘Das langt jetzt.’ Da hätte ich eigentlich gerne losgelassen“, sagte er im Gespräch mit der Zeitschrift Bunte. Es ist eine Aussage, die die Endlichkeit seines Lebenswerkes unterstreicht und zeigt, wie bewusst er sich mit seinem eigenen Abschied auseinandersetzt.

Mario Adorf bei der Verleihung der Bambi Awards 2014 am 13. November 2014 in Berlin, Deutschland. | Quelle: Getty Images
Adorf, der über 200 Rollen verkörperte und in Klassikern wie Die Blechtrommel, Rossini oder Der große Bellheim glänzte, gilt seit Jahrzehnten als feste Größe im deutschen Film. Doch die Vitalität vergangener Jahre hat ihn verlassen. Mit 95 wirkt er zwar geistig präsent, körperlich jedoch angeschlagen. Dass er sein Lebensende inzwischen nicht nur akzeptiert, sondern in gewisser Weise herbeisehnt, ist für viele seiner Fans ein schmerzhaftes Eingeständnis.
Die Klarheit, mit der Adorf über das Sterben spricht, überrascht. Anstatt die eigene Vergänglichkeit zu verdrängen, benennt er sie direkt. „Das langt jetzt“, so sein Fazit über ein erfülltes, aber langes Leben. Der Schauspieler klingt dabei nicht verbittert, sondern abgeklärt. Für ihn scheint der Gedanke an den Tod weniger bedrohlich, sondern eher wie ein logischer Abschluss.

Der Schauspieler und Preisträger Mario Adorf während der Bambi-Verleihung 2016 im Stage Theater am 17. November 2016 in Berlin, Deutschland. | Quelle: Getty Images
Diese Haltung zeigte sich auch jüngst bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Adorf sollte dort für sein Lebenswerk geehrt werden, doch er konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen. Stattdessen ließ er eine Botschaft übermitteln, in der er feststellte: „Nehme an, dass es der letzte Preis ist.“ Mit dieser kurzen, aber eindringlichen Bemerkung machte er deutlich, wie sehr er sein eigenes Ende bereits einkalkuliert.
Für viele Zuschauer war das ein erschütternder Moment. Adorf, der jahrzehntelang als Inbegriff von Stärke und Charaktertiefe galt, gibt offen zu, dass er schwach geworden ist und nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen kann. Umso mehr bewegt seine Ehrung, die zugleich wie ein Abschied anmutet.

Der Schauspieler Mario Adorf nimmt am 7. März 2012 in Berlin an der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Autovermietung Sixt im „Goya”-Club am Nollendorfplatz teil. | Quelle: Getty Images
Fans erinnerten an unvergessene Szenen aus seinen Filmen und Serien, an seine sonore Stimme und die Fähigkeit, jeder Rolle Gewicht und Würde zu verleihen. Die Reaktionen schwanken zwischen Trauer und Dankbarkeit: Trauer darüber, dass eine Ära zu Ende geht, und Dankbarkeit für das Vermächtnis, das bleibt.
Adorfs Karriere ist einzigartig. Geboren 1929 in Zürich bei Mayen, erlebte er eine schwierige Kindheit, bevor er den Weg ins Theater und Kino fand. Schon früh fiel sein Talent auf, Charaktere mit intensiver Präsenz darzustellen. In den 1960er- und 70er-Jahren avancierte er zum Publikumsliebling, spielte in internationalen Produktionen ebenso wie im deutschen Autorenkino. Regisseure wie Volker Schlöndorff oder Rainer Werner Fassbinder schätzten ihn für seine Wandlungsfähigkeit. Bis heute wird er als „letzter großer Volksschauspieler“ bezeichnet.

Mario Adorf und seine Frau Monique Faye nehmen an der Signierstunde von Plamen Roussev für sein Buch „Le violon de ma liberté – Die Geige meiner Freiheit“ im „Cercle de l'Union Interalliée“ am 18. Oktober 2021 in Paris, Frankreich, teil. | Quelle: Getty Image
Doch nun, mit fast 96 Jahren, rückt das Werk in den Vordergrund – nicht mehr der Mensch selbst. Adorf weiß, dass seine Zeit begrenzt ist. Anstatt dies zu verschweigen, spricht er es offen aus. Damit unterscheidet er sich von vielen Kollegen, die bis zuletzt an der Bühne festhalten. Für ihn scheint der Abschied ein Akt der Ruhe und Gelassenheit zu sein.
Adorfs Aussage klingt nach Resignation, ist aber zugleich ein Ausdruck von Frieden. Er zeigt einen Mann, der mit sich und seinem Leben im Reinen ist, auch wenn die körperlichen Kräfte schwinden.

Mario Adorf posiert beim Fototermin zu „Es hätte schlimmer kommen können – Mario Adorf” während der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin im Grand Hyatt Hotel am 12. Februar 2019 in Berlin, Deutschland | Quelle: Getty Images
Seine Worte sind Mahnung und Trost zugleich. Sie erinnern daran, dass selbst die größten Stars nicht unsterblich sind, und dass auch ein erfülltes Leben irgendwann sein Ende finden muss. Für Mario Adorf scheint dieser Zeitpunkt näher zu rücken. Doch sein Werk bleibt: Filme, Rollen, Bücher und Erinnerungen, die Generationen geprägt haben.