
Feuerwehr | Quelle: Getty Images
„Unfassbar“: Nach 34 Dienstjahren droht einem Feuerwehrmann in Sachsen wegen Geschwindigkeitsüberschreitung im Dienst eine hohe Geldstrafe
Die Empörung ist groß – und sie reicht weit über eine kleine sächsische Stadt hinaus. Ein Fall aus dem Feuerwehralltag sorgt derzeit bundesweit für Diskussionen darüber, wie weit Einsatzkräfte im Dienst gehen dürfen. Besonders eine Frage steht dabei im Raum: Wie viel Verständnis gibt es für Menschen, die in Notlagen handeln müssen?
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Für viele wirkt die Situation wie ein Widerspruch. Einerseits wird von Feuerwehrleuten erwartet, schnell zu reagieren und Leben zu retten. Andererseits gelten auf den Straßen klare Regeln, die eigentlich für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen verbindlich sind.

Ray Lange, der betroffene Feuerwehrmann | Quelle: Der betroffene Feuerwehrmann spricht in einem exklusiven "Sachsen Fernsehen" - Interview über den Vorfall mit der Polizei | Quelle: youtube.com/watch?v=3iVCPcSmli8
Genau dieser Konflikt steht nun im Mittelpunkt eines Streits zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und der Stadtverwaltung im sächsischen Taucha. Auslöser ist ein Einsatz im Mai 2025, bei dem ein Feuerwehrfahrzeug auf dem Weg zu einem gemeldeten Brand von einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage erfasst wurde.
Das Fahrzeug – eine Drehleiter – war in einem Bereich mit Tempo 30 unterwegs, als die Anlage eine Geschwindigkeit von 69 km/h registrierte. Rund einen Monat später erhielt der Fahrer Post vom Ordnungsamt mit der Aufforderung, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen.
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Reaktionen der Intenetnutzer über den Fall | Quelle: facebook.com/share/v/1CohhWrEgm/
Schließlich folgte der Bußgeldbescheid: 369 Euro Strafe, zwei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg und ein einmonatiges Fahrverbot. Für den Feuerwehrmann, der sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert, kam diese Entscheidung völlig überraschend.
Der Betroffene legte Einspruch gegen den Bescheid ein. Nach seiner Darstellung hätte ein vorgeschlagener Vergleich einer Schuldanerkennung gleichgekommen – und genau das wollte er nicht akzeptieren. Das Verfahren liegt nun beim zuständigen Amtsgericht, das über den Fall entscheiden muss.

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Doch die Konsequenzen blieben nicht nur juristisch. Der Maschinist zog persönliche Konsequenzen und beendete nach insgesamt 34 Jahren seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr. In einem offenen Brief, der bei der Jahreshauptversammlung der Wehr verlesen wurde, schilderte er seine Enttäuschung über den Umgang mit dem Vorfall.
Er habe sich jahrzehntelang ehrenamtlich engagiert, Ausbildungsdienste übernommen und auch in der Jugendfeuerwehr mitgearbeitet. Angesichts der aktuellen Situation stelle er sich nun eine einfache, aber entscheidende Frage: „Warum?“
„Warum soll ich das machen?“, fragt er offen. Wenn man nach so vielen Jahren Einsatz plötzlich mit einem Bußgeldbescheid und einem Fahrverbot konfrontiert werde, verliere man das Gefühl, dass dieses Engagement wirklich geschätzt werde.

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Auch innerhalb der Feuerwehr hat der Streit Spuren hinterlassen. Der damalige Stadtwehrleiter legte sein Amt nieder und verwies dabei auf ein gestörtes Vertrauensverhältnis zur Stadtverwaltung. Nach seiner Darstellung habe der Umgang mit dem Fall das Gefühl verstärkt, dass Einsatzkräfte im Zweifel ohne ausreichende Rückendeckung handeln müssen.

Der betroffene Feuerwehrmann spricht in einem exklusiven "Sachsen Fernsehen" - Interview über den Vorfall mit der Polizei | Quelle: youtube.com/watch?v=3iVCPcSmli8
Der Bürgermeister von Taucha äußerte sich ebenfalls zu dem Vorfall und betonte die Bedeutung eines respektvollen Umgangs zwischen Verwaltung, Politik und Feuerwehr. Gleichzeitig entschuldigte er sich dafür, dass sich die Situation so zugespitzt habe, und kündigte an, die Zusammenarbeit künftig wieder stabilisieren zu wollen.

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Rechtlich befinden sich Einsatzfahrten allerdings in einem besonderen Rahmen. Nach § 35 der deutschen Straßenverkehrsordnung dürfen Feuerwehr und andere Einsatzorganisationen sogenannte Sonderrechte in Anspruch nehmen, wenn dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben dringend erforderlich ist. Dazu kann auch das Überschreiten von Geschwindigkeitsbegrenzungen gehören.

Der betroffene Feuerwehrmann spricht in einem exklusiven "Sachsen Fernsehen" - Interview über den Vorfall mit der Polizei | Quelle: youtube.com/watch?v=3iVCPcSmli8
Allerdings bedeutet das nicht, dass sämtliche Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt sind. Auch bei Einsatzfahrten gilt eine besondere Sorgfaltspflicht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, und Geschwindigkeit sowie Risiko müssen im Einzelfall gegeneinander abgewogen werden.
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Hinzu kommt, dass es bundesweit keine einheitliche Praxis gibt, wie Kommunen mit solchen Situationen umgehen. Während manche Behörden mehr Spielraum für Einsatzkräfte lassen, bestehen andere strikt auf der Anwendung der regulären Verkehrsregeln.
Wie der Fall aus Taucha letztlich ausgeht, ist derzeit noch offen. Über den Einspruch des Feuerwehrmanns muss nun ein Gericht entscheiden – und möglicherweise klären, wo genau die Grenze zwischen Einsatzpflicht und Verkehrsrecht verläuft.
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