
Ein Mann geht am 29. Januar 2022 während eines „weißen Tages“ im Kvarken-Archipel auf dem zugefrorenen Meer in der Nähe von Vaasa Eisfischen | Quelle: Getty Images
Deutsches Paar nach SOS-Signal von treibender Eisscholle in der Ostsee gerettet
Eine mehrtägige Expedition über das Eis der Ostsee sollte für ein deutsches Paar zu einem besonderen Abenteuer werden. Stattdessen wurde die Tour zu einer dramatischen Nacht im Bottnischen Meerbusen – mit eisiger Kälte, verlorenem Gepäck und der bangen Frage, ob rechtzeitig Hilfe eintreffen würde.
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Die beiden Deutschen hatten sich auf eine außergewöhnliche Route vorbereitet. Ihr Ziel: eine Skitour über das zugefrorene Meer zwischen Finnland und Schweden. Die geplante Strecke führte vom finnischen Oulu bis ins schwedische Luleå – rund 160 Kilometer über das winterliche Eisfeld der nördlichen Ostsee.

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Der Bottnische Meerbusen ist bekannt dafür, in kalten Wintern großflächig zuzufrieren. Aufgrund des relativ geringen Salzgehalts kann sich dort eine stabile Eisdecke bilden, die stellenweise mehr als einen Meter dick wird. Für erfahrene Wintersportler ist das Gebiet deshalb ein reizvolles, wenn auch anspruchsvolles Ziel.
Das deutsche Paar galt als gut vorbereitet und erfahren im Outdoorbereich. Ausgestattet mit Ski, Zelt und Expeditionsausrüstung wollten sie mehrere Tage auf dem Eis unterwegs sein. Am Abend schlugen sie ihr Nachtlager direkt auf der gefrorenen Oberfläche des Meeres auf.
Doch in der Nacht änderte sich die Situation schlagartig.
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Während sie schliefen, begann das Eis unter ihrem Zelt nachzugeben. Die feste Fläche, die ihnen Schutz und Stabilität bieten sollte, brach plötzlich auf. Innerhalb kurzer Zeit rutschte ein Großteil ihrer Ausrüstung in das eiskalte Wasser.
„Sie hatten über Nacht in einem Zelt auf dem Eis geschlafen. In der Nacht war das Eis gebrochen“, berichteten später die Seenotretter über den dramatischen Moment.
Den beiden Deutschen gelang es, sich auf eine größere, stabilere Eisscholle zu retten. Doch ihre Lage blieb gefährlich: Ohne Zelt, ohne Großteil ihrer Ausrüstung und bei eisigen Temperaturen waren sie der Witterung ausgeliefert.

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In dieser Situation entschieden sie sich zu einer ungewöhnlichen, aber lebensrettenden Maßnahme. Auf der schneebedeckten Eisfläche legten sie ein großes SOS-Zeichen aus, das aus der Luft sichtbar sein sollte. Gleichzeitig aktivierten sie eine Notrufbake – ein kleines Gerät, das ein Funksignal an Rettungsstellen sendet.
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Kurz nach 6.30 Uhr morgens ging im finnischen Seenotrettungszentrum in Turku schließlich ein entsprechender Alarm ein. Sofort begann eine koordinierte Suchaktion.
Flugzeuge der finnischen und schwedischen Rettungskräfte starteten, um das riesige Eisfeld zu überfliegen. Gleichzeitig machte sich auch die Küstenwache auf den Weg – unter anderem mit einem speziellen Luftkissenfahrzeug, das sich über Eisflächen bewegen kann.

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Die Suche dauerte mehrere Stunden. Erst aus der Luft entdeckten die Einsatzkräfte schließlich das SOS-Zeichen im Schnee – und damit auch das deutsche Paar auf der treibenden Scholle.
Als die Rettungskräfte die beiden erreichten, waren sie stark unterkühlt, aber ansprechbar. Rund fünf Stunden nach dem Notruf konnten sie aufgenommen und an Land gebracht werden.
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Dass die Situation dennoch glimpflich ausging, lag auch an der Erfahrung der beiden Wintersportler. Trotz der extremen Bedingungen hatten sie Ruhe bewahrt und ihre Rettungsmittel rechtzeitig eingesetzt.

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Die finnische Küstenwache bestätigte später, dass es sich um erfahrene Outdoorsportler handelte. Doch auch gute Vorbereitung konnte in diesem Fall nicht verhindern, dass das Eis unberechenbar reagierte.
Für das Paar dürfte die Nacht auf der treibenden Eisscholle dennoch ein Erlebnis bleiben, das sie so schnell nicht vergessen werden – eine Expedition, die plötzlich zum Kampf gegen Kälte, Wasser und Zeit wurde.
Jener Einsatz sorgte zumindest bei der Öffentlichkeit für viel Ärger. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die fordern, dass die Geretteten jenen Rettungseinsatz selbst zahlen. Eine Userin schrieb zu einem ähnlichen Vorfall in der Ostsee:
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„Solche sollten die Rettung selbst bezahlen... es wurde genug gewarnt, das Eis nicht zu betreten“
Und sprach damit vielen anderen Nutzern aus der Seele. Es gibt viele, die der Ansicht sind, dass Leichtsinn nicht noch gefördert werden sollte. Eine mögliche Konsequenz wäre die eigene Übernahme der entstandenen Kosten für eine Rettung. Doch bei jenem Thema scheinen sich die Geister zu scheiden.
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