
„Alle eingeleiteten Maßnahmen erfolglos“: Tragischer Tod beim Handball-Cup in Flensburg
Es sollte ein Handballabend voller Tempo, Punkte und Emotionen werden. Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt empfing Montpellier HB in der GP Joule Arena – ein Duell mit Erinnerungen an das Finale der vergangenen Saison. Auf dem Spielfeld entwickelte sich von Beginn an ein intensiver Schlagabtausch. Doch noch bevor die Partie ihren sportlichen Höhepunkt erreichte, veränderte sich die Atmosphäre in der Halle abrupt.
Mitten im Spiel wurde es plötzlich ungewöhnlich still. Keine Musik, keine Hallen-Einspieler, keine animierende Beschallung. Stattdessen eine gespannte Ruhe, die sich wie ein Schleier über die rund 5.000 Zuschauer legte. Dyn-Kommentator Markus Götz erklärte die Situation während der Übertragung:
„Wer sich wundert über die Ruhe in der Halle, keine Musik-Zuspieler im Moment, keine Beschallung. Ich habe mir gerade sagen lassen, dass es einen medizinischen Notfall gibt. Und deswegen verzichtet man im Moment darauf. Was Genaueres weiß ich nicht. Wir drücken nur ganz fest die Daumen, dass es hoffentlich nicht so schlimm ist.“
Was zunächst nach einer vorübergehenden Unterbrechung klang, entwickelte sich zu einem dramatischen Geschehen abseits des Spielfelds. Sanitäter und medizinisches Personal kümmerten sich um einen Zuschauer, der in der Arena zusammengebrochen war. Währenddessen reagierten die Fans bemerkenswert geschlossen: Rhythmisches Klatschen ersetzte die übliche Geräuschkulisse. Applaus statt Anfeuerung – ein stilles Zeichen der Solidarität.
Sportlich ging die Partie weiter. Den Mannschaften blieb keine andere Wahl, als ihren Auftrag zu erfüllen. Zur Halbzeit stand es 21:20 für Flensburg – 41 Tore in 30 Minuten, ein Offensivspektakel mit hoher Schlagzahl. Patrick Volz erzielte neun Treffer und war damit erfolgreichster Torschütze der Gastgeber.
Torhüter Benjamin Buric steuerte 13 Paraden bei. Am Ende setzte sich die SG Flensburg-Handewitt mit 40:35 durch und machte einen wichtigen Schritt in Richtung nächste Runde der Handball-European-League.
Doch der sportliche Erfolg geriet zunehmend in den Hintergrund. Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Arena ohne Musik, ohne Show-Elemente. Die gedämpfte Stimmung wich keine Sekunde. Die medizinische Versorgung lief weiter, während auf dem Feld um jeden Ball gekämpft wurde.
Nach Abpfiff folgte die traurige Gewissheit. Der betroffene Zuschauer hatte den medizinischen Notfall nicht überlebt. SG-Geschäftsführer Holger Glandorf erklärte: „Leider blieben alle eingeleiteten Maßnahmen erfolglos. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen. Der Handball und alles Sportliche rücken heute in den Hintergrund.“
Mit diesen Worten wurde deutlich, was viele in der Halle bereits befürchtet hatten. Der Abend, der als Neuauflage des European-League-Finales aus der Vorsaison angekündigt war, wurde zu einem Ereignis, das weit über das Sportliche hinausging. Damals hatte Flensburg in Hamburg den Titel geholt. Diesmal stand zwar erneut ein Sieg zu Buche – doch Jubel wollte sich nicht einstellen.
Die Begegnung zeigte eindrucksvoll, wie nah Triumph und Tragödie beieinanderliegen können. Während auf dem Spielfeld Tore fielen und Paraden bejubelt wurden, kämpften Helfer um ein Menschenleben. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass es Momente gibt, in denen selbst ein internationaler Wettbewerb an Bedeutung verliert.
Die GP Joule Arena, sonst ein Ort lauter Begeisterung, wurde an diesem Abend zum Schauplatz stiller Anteilnahme. Der Applaus der Zuschauer war weniger Ausdruck von Freude als vielmehr ein Zeichen des Mitgefühls. Ein Handballspiel wurde gespielt – doch im Gedächtnis bleibt vor allem die Stille.
Unser tiefstes Beileid gilt den Hinterbliebenen des verstorbenen Fans in dieser schweren Zeit.
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