
Thomas Müller zieht nach Kanada und lässt Lisa Müller in Deutschland zurück – ihr erstes Interview, seit sie allein zu Hause geblieben ist
Als Thomas Müller im vergangenen Sommer Bayern verließ und zu den Vancouver Whitecaps in die nordamerikanische MLS ging, war schnell klar: Dieser Schritt würde nicht nur sportlich neue Wege eröffnen. Er veränderte auch das private Gefüge eines Paares, das über Jahre hinweg als eingespieltes Team galt. Denn Lisa Müller blieb in Deutschland.
Monatelang wurde spekuliert, ob die räumliche Trennung ein Zeichen für eine Krise sei. Nun spricht die 36-Jährige erstmals ausführlich über das Leben auf zwei Kontinenten – und darüber, warum sie sich bewusst gegen einen Umzug nach Kanada entschieden hat.
Seit 2009 sind Lisa und Thomas Müller verheiratet, seit Jugendtagen ein Paar. Während er als Nationalspieler und Bayern-Ikone internationale Erfolge feierte, baute sie sich als Dressurreiterin ihre eigene Karriere auf. Mit dem gemeinsamen Gestüt Wettlkam in Bayern schufen sie zudem ein berufliches Standbein jenseits des Fußballs. Genau dieses Gestüt spielte bei der Entscheidung eine zentrale Rolle.
„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, dass wir auf zwei Kontinenten weiterarbeiten“, sagt Lisa Müller im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Beide wüssten um die Leidenschaft des jeweils anderen für den eigenen Sport. Für sie sei außerdem etwas klar gewesen: „Dass wir unser Gestüt nicht für ein Jahr alleine lassen.“
Während Thomas Müller nun in Vancouver aufläuft, kümmert sie sich weiterhin um Pferde, Training und Organisation in Bayern. Sie steckte zudem tief in ihrer Dressur-Saison. Deshalb verriet Thomas Müller:
„Da würde es jetzt keinen Sinn machen, da große Umzüge zu planen.“
Dass sie nicht mitging, hat also nichts mit mangelnder Unterstützung zu tun. Vielmehr scheint es Ausdruck gegenseitigen Respekts für die beruflichen Ambitionen. „Er als Sportler weiß, wie sehr ich für meinen Sport lebe. Ich als Sportlerin weiß, wie sehr er für seinen Sport lebt“, erklärt sie.
Die öffentliche Wahrnehmung jedoch fokussiert sich häufig weniger auf diese Gleichberechtigung als auf eine andere Rolle: die der Spielerfrau. Ein Etikett, das Lisa Müller lange beschäftigte. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bamberg sprach sie offen darüber, wie sie mit Zuschreibungen umgeht.
„Ich werde immer für die Dümmste im Raum gehalten“, sagt sie – halb ironisch, halb ernst. Früher habe sie versucht, gegen dieses Bild anzukämpfen, habe betont, dass sie mehr sei als nur die Ehefrau eines Fußballers. Inzwischen gehe sie gelassener damit um.
Mit Humor begegnet sie auch Situationen, in denen sie unterschätzt wird. Gerade diese Erwartungshaltung könne man gelegentlich für sich nutzen, lässt sie durchblicken. Der Umgang mit Vorurteilen scheint für sie Teil des öffentlichen Lebens geworden zu sein.
Abseits des Sports interessiert sich Lisa Müller nach eigenen Angaben für wirtschaftliche und politische Themen. Im vergangenen Herbst absolvierte sie ein Schnupperpraktikum im Bayerischen Landtag. Auf die Frage, ob sie sich eine politische Kandidatur vorstellen könne, reagierte sie jedoch zurückhaltend. Sie habe gezögert, weil sie sich nicht ausreichend vorbereitet gefühlt habe.
Die Fernbeziehung mit Thomas Müller bedeutet nun organisatorische Herausforderungen und neue Routinen. Konkrete Details über ihren Alltag hält sie weitgehend privat. Nach Jahren gemeinsamer öffentlicher Auftritte hat das Paar offenbar beschlossen, sein Privatleben stärker abzuschirmen. Gerade deshalb wurde die Entscheidung, auf unterschiedlichen Kontinenten zu leben, von außen besonders aufmerksam verfolgt.
Lisa Müller wirkt in ihren Aussagen weder defensiv noch kämpferisch. Vielmehr vermittelt sie den Eindruck einer Frau, die ihre Prioritäten kennt. Während Thomas Müller in Kanada sportlich neu startet, bleibt sie in Bayern verwurzelt – bei Pferden, Familie und eigenem Beruf. Auch Thomas Müller sprach in einem Interview über diesen neuen Abschnitt in seinem Leben und ob ihn die Distanz stören würde:
„Ich bin nicht so der Heimweh- oder Vermisser-Typ, war ich noch nie. Schon als Kind nicht.“
Ob diese Konstellation dauerhaft Bestand hat, bleibt offen. Fest steht: Die räumliche Distanz ist keine spontane Laune, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Abwägung. Und Lisa Müller zeigt, dass sie auch allein im Rampenlicht stehen kann – nicht nur als Ehefrau eines Fußballstars, sondern als eigenständige Persönlichkeit mit klaren Entscheidungen.
