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6. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Landstuhl: Kerzen und Blumen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Landstuhl zum Gedenken an Serkan C., einen Bahnmitarbeiter, der ums Leben kam. | Quelle: Getty Images
6. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Landstuhl: Kerzen und Blumen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Landstuhl zum Gedenken an Serkan C., einen Bahnmitarbeiter, der ums Leben kam. | Quelle: Getty Images

Serkan C., Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn, wurde vor seiner Beerdigung in der Türkei von 300 Leuten bei einer Gedenkfeier geehrt: Details

Tetiana Sukhachova
06. Feb. 2026 - 20:37

Ein stiller Hof, gedämpfte Stimmen und viele gesenkte Blicke: In Ludwigshafen versammelten sich Hunderte Menschen, um Abschied von Serkan C. zu nehmen. Noch bevor seine letzte Reise in die Türkei begann, stand die Stadt für einen Moment still – für einen Kollegen, Freund und Familienvater, dessen Tod weit über den Kreis der Angehörigen hinaus Erschütterung ausgelöst hat.

Nutzer äußert sich zu der Tragödie | Quelle: Facebook/RTL

Nutzer äußert sich zu der Tragödie | Quelle: Facebook/RTL

Am Donnerstagnachmittag füllte sich der Hof der Alem-i aislam Moschee mit Trauergästen. Rund 300 geladene Besucher kamen zusammen, um Serkan C. zu ehren, der zwei Tage zuvor nach einem brutalen Angriff im Dienst verstorben war.

Nutzer äußert sich zu der Tragödie | Quelle: Facebook/RTL

Nutzer äußert sich zu der Tragödie | Quelle: Facebook/RTL

Viele kannten ihn persönlich, andere wollten ihre Anteilnahme zeigen. Unter den Anwesenden befanden sich nicht nur Freunde und Verwandte, sondern auch Vertreter der Deutschen Bahn sowie politische Repräsentanten der Stadt und des Landes Rheinland-Pfalz.

Nutzer äußert sich zu der Tragödie | Quelle: Facebook/RTL

Nutzer äußert sich zu der Tragödie | Quelle: Facebook/RTL

Während der Sarg über den Hof getragen wurde, lag eine spürbare Schwere in der Luft. Das leise Schluchzen trauernder Frauen und die angespannte Stille der Umstehenden machten deutlich, wie tief der Verlust sitzt.

5. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben Serkan C. im Innenhof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen die letzte Ehre erwiesen. | Quelle: Getty Images

5. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben Serkan C. im Innenhof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen die letzte Ehre erwiesen. | Quelle: Getty Images

Auch zahlreiche Bahnmitarbeiter in Uniform nahmen Abschied von einem Kollegen, der als hilfsbereit und beliebt galt. Nach dem gemeinsamen Gebet wurde der Sarg in einen Leichenwagen gehoben – Ziel: der Flughafen. Von dort aus sollte Serkan C. in die Türkei überführt werden, wo eine weitere Trauerfeier und die Beisetzung stattfinden.

6. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Landstuhl: Kerzen und Blumen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Landstuhl zum Gedenken an Serkan C. | Quelle: Getty Images

6. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Landstuhl: Kerzen und Blumen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Landstuhl zum Gedenken an Serkan C. | Quelle: Getty Images

Besonders bewegend war die Abwesenheit des Vaters bei der Zeremonie in Ludwigshafen. Er war bereits gemeinsam mit Serkans beiden Söhnen in die Türkei gereist, um dort die nächsten Schritte vorzubereiten.

Blumen im Gedenken an den getöteten Serkan C. | Quelle: Getty Images

Blumen im Gedenken an den getöteten Serkan C. | Quelle: Getty Images

Dem Vater selbst hat der Tod seines Sohnes schwer getroffen. Die Nachricht über den Angriff auf seinen Sohn löste bei ihm einen leichten Herzinfarkt aus, weshalb er ebenfalls ins Krankenhaus musste. Zwei Tage lang wurde er behandelt, ehe er wieder nach Hause konnte.

6. Februar 2026, Saarland, Homburg: Kerzen, Blumen und eine handgeschriebene Gedenktafel am Bahnhof Homburg erinnern an den Tod des Bahnmitarbeiters Serkan C. | Quelle: Getty Images

6. Februar 2026, Saarland, Homburg: Kerzen, Blumen und eine handgeschriebene Gedenktafel am Bahnhof Homburg erinnern an den Tod des Bahnmitarbeiters Serkan C. | Quelle: Getty Images

Gegenüber der Bild äußerte sich der trauernde Vater über das Geschehene:

„Ich habe einen Bypass bekommen. Aber mein Sohn wird nicht wieder zurückkommen.“

Er fügte an: „Es war das Schlimmste. Die Jungs mussten ihren Vater sterben sehen.“ Für die Familie ist es ein Abschied auf mehreren Ebenen – von einem Sohn, einem Vater, einem Menschen, der aus dem Alltag gerissen wurde.

6. Februar 2026, Saarland, Homburg: Kerzen, Blumen und eine handgeschriebene Gedenktafel am Bahnhof Homburg erinnern an den Tod des Bahnmitarbeiters Serkan C. | Quelle: Getty Images

6. Februar 2026, Saarland, Homburg: Kerzen, Blumen und eine handgeschriebene Gedenktafel am Bahnhof Homburg erinnern an den Tod des Bahnmitarbeiters Serkan C. | Quelle: Getty Images

Rund um die Moschee sorgten Sicherheitskräfte für einen geordneten Ablauf. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort, nicht zuletzt, weil auch hochrangige Gäste an der Gedenkfeier teilnahmen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer fand klare Worte: „Er hat seine Arbeit gemacht und ist angegriffen worden – ohne Grund.“

Gleichzeitig betonte er, wie wichtig es sei, sich künftig stärker für Sicherheit im öffentlichen Raum einzusetzen. Auch Ludwigshafens Oberbürgermeister Klaus Blettner wandte sich an die Trauergemeinde und sagte: „Ludwigshafen trauert. Er war einer von uns.“

5. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben Serkan C. im Innenhof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen die letzte Ehre erwiesen. | Quelle: Getty Images

5. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben Serkan C. im Innenhof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen die letzte Ehre erwiesen. | Quelle: Getty Images

Der Hintergrund der Tat erschüttert viele noch immer. Serkan C. war als Zugbegleiter auf der Strecke von Kaiserslautern nach Saarbrücken im Einsatz, als es kurz nach der Abfahrt in Landstuhl zu einer Auseinandersetzung kam.

Bei einer Ticketkontrolle griff ein Fahrgast ohne Fahrschein den 36-Jährigen laut Ermittlungen mehrfach an und schlug auf seinen Kopf ein. Schwer verletzt wurde Serkan C. in eine Klinik gebracht, wo Ärzte um sein Leben kämpften – vergeblich. Er starb an den Folgen einer Hirnblutung.

5. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben Serkan C. im Innenhof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen die letzte Ehre erwiesen. | Quelle: Getty Images

5. Februar 2026, Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben Serkan C. im Innenhof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen die letzte Ehre erwiesen. | Quelle: Getty Images

Der mutmaßliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft, die Ermittlungen dauern an. Zurück bleiben Trauer, viele Fragen und die Erinnerung an einen Mann, dessen Leben im Dienst für andere endete. Die Gedenkfeier in Ludwigshafen machte deutlich: Serkan C. wird nicht vergessen.

5. Februar 2026, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben sich im Hof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen von Serkan C. verabschiedet, während der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), eine Rede gehalten hat. | Quelle: Getty Images

5. Februar 2026, Ludwigshafen: Über tausend Leute haben sich im Hof der Alemi-Islam-Moschee in Ludwigshafen von Serkan C. verabschiedet, während der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), eine Rede gehalten hat. | Quelle: Getty Images

Wir berichteten über den tragischen Vorfall:

Der gewaltsame Tod von Serkan C. hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Doch jenseits der nüchternen Berichte über eine eskalierte Fahrkartenkontrolle rückt vor allem ein anderes Bild in den Vordergrund: das eines Mannes, der als Vater, Freund und Kollege ein Leben führte, das von Fürsorge, Verantwortungsgefühl und außergewöhnlicher Herzenswärme geprägt war.

Seit über 15 Jahren arbeitete der 36-Jährige als Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn. In dieser Zeit galt er als verlässliche Konstante im Regionalverkehr. Kollegen beschreiben ihn als ruhig, deeskalierend und stets respektvoll im Umgang mit Fahrgästen – selbst in schwierigen Situationen. Wer mit ihm Dienst hatte, wusste: Serkan blieb besonnen, auch wenn andere laut wurden. Konflikte versuchte er zu entschärfen, nicht zu verschärfen.

Das Logo der Deutschen Bahn | Quelle: Getty Images

Das Logo der Deutschen Bahn | Quelle: Getty Images

Sein enger Freund und Kollege Yunus erinnert sich: „Als Mensch würde ich ihn als einzigartig beschreiben. Er war sehr sympathisch. Wenn ich Probleme hatte, habe ich sie mit ihm geteilt. Wenn er Probleme hatte, hat er sie mit mir geteilt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt bei der Bahn.“

BERLIN, DEUTSCHLAND – 4. FEBRUAR: Der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder spricht vor der Presse, nachdem er an einer Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof teilgenommen hat, um des 36-jährigen türkischen Zugbegleiters Serkan C. zu gedenken, der in einem Zug von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen wurde | Quelle: Getty Images

BERLIN, DEUTSCHLAND – 4. FEBRUAR: Der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder spricht vor der Presse, nachdem er an einer Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof teilgenommen hat, um des 36-jährigen türkischen Zugbegleiters Serkan C. zu gedenken, der in einem Zug von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen wurde | Quelle: Getty Images

Diese gegenseitige Loyalität sei typisch für Serkan gewesen. Er hörte zu, gab Ratschläge und stellte sich schützend vor andere – besonders vor jüngere Kollegen. Privat war seine größte Identität jedoch die des Vaters. Seine beiden Söhne Erdal (13) und Ali Ekber (11) waren sein Lebensmittelpunkt.

Als alleinerziehender Vater strukturierte er sein gesamtes Leben um sie herum. Früh aufstehen, Frühstück machen, Schule organisieren, arbeiten, danach Hausaufgaben, Einkaufen, Kochen – Freunde berichten, dass er diese Mehrfachbelastung nie als Bürde darstellte, sondern als Selbstverständlichkeit.

Er galt als liebevoll, geduldig und humorvoll im Umgang mit seinen Kindern. Er wollte ihnen Stabilität geben, Sicherheit – und Perspektive. Viele beschreiben ihn als „Kämpfer für seine Jungs“. Die Brutalität seines Todes trifft die Familie deshalb umso härter. Cousin Ergin C. schildert die dramatischen Stunden nach der Tat:

„Die Deutsche Bahn rief an und sagte, dass Serkan angegriffen wurde. Seit Montag war die Familie bei ihm im Krankenhaus.“

Auch seine beiden Jungs wachten am Krankenbett. „Sie haben ihren Vater sterben sehen, es war furchtbar.“ Diese Erfahrung habe die Familie tief erschüttert.

04. Februar 2026, Berlin: Ein Text an der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof erinnert an den verstorbenen Zugbegleiter „Serkan C.“ | Quelle: Getty Images

04. Februar 2026, Berlin: Ein Text an der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof erinnert an den verstorbenen Zugbegleiter „Serkan C.“ | Quelle: Getty Images

Auch im erweiterten Freundeskreis wird Serkan als außergewöhnlicher Mensch beschrieben. Sein Cousin Engin und Freund Yunus nannten ihn häufig ihren „Bruder“. Nicht nur wegen der familiären Verbindung, sondern wegen seiner Loyalität. Engin sagt:

„Er war ein glücklicher Mensch, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte.“

Dieses Lächeln wird immer wieder erwähnt. Es sei ehrlich gewesen, nie aufgesetzt. Selbst nach langen Schichten habe er Humor gehabt, andere aufgemuntert, statt über Müdigkeit zu klagen.

Was viele besonders hervorheben: seine Selbstlosigkeit. Serkan stellte seine eigenen Bedürfnisse oft zurück. Ein Beispiel, das Freunde bewegt schildern: Zu einem seiner letzten Geburtstage wünschte er sich keine Geschenke – stattdessen sammelte er Spenden für die Krebshilfe. Für ihn war Helfen selbstverständlich, nicht außergewöhnlich.

Seine Großzügigkeit zeigte sich auch im Alltag. Er half Nachbarn, unterstützte Freunde finanziell, wenn es nötig war, und engagierte sich im Kleinen – ohne Öffentlichkeit, ohne Aufmerksamkeit.

04. Februar 2026, Bayern, Nürnberg: Martin Burkert (M), Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft EVG, mit Mitgliedern der EVG und anderen Mitarbeitern der Deutschen Bahn während der Schweigeminute für einen getöteten Zugbegleiter. | Quelle: Getty Images

04. Februar 2026, Bayern, Nürnberg: Martin Burkert (M), Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft EVG, mit Mitgliedern der EVG und anderen Mitarbeitern der Deutschen Bahn während der Schweigeminute für einen getöteten Zugbegleiter. | Quelle: Getty Images

Die emotionale Wucht seines Verlusts wird in den Worten seiner Familie besonders deutlich. Engin beschreibt die Situation der Kinder: „Die zwei Kinder waren auch im Krankenhaus und sahen ihren eigenen Vater im Sterbebett. Noch schlimmer geht das nicht.“ Und weiter:

„Die Oma ist bei ihnen, die ganze Familie ist bei ihnen. Es ist schwer, weil wir den Vater nicht ersetzen können. Weil der Vater mit 36 Jahren gestorben ist. Wegen eines Tickets ist er gestorben. Wegen 60 Euro ist er gestorben. Das ist so sinnlos.“

Auch Yunus erinnert sich an den Moment, als er informiert wurde: „Das war für mich schrecklich. Ich war im Schock. Ich wusste nicht, wie ich das weiterleiten soll.“ Diese Aussagen zeigen, wie eng Serkan mit seinem Umfeld verbunden war. Er war nicht nur Kollege – er war Vertrauensperson, Zuhörer, Ratgeber.

Für seine Freunde steht fest, dass sein Andenken bewahrt werden muss. Gleichzeitig fordern sie Konsequenzen: „Wir wünschen uns, dass er hart bestraft wird. Wir wollen Gerechtigkeit“, so die Familie.

Doch jenseits juristischer Fragen bleibt vor allem die Erinnerung an einen Mann, der durch seine Persönlichkeit geprägt hat: ein ruhiger Vermittler im Beruf, ein aufopferungsvoller Vater zu Hause, ein Freund mit großem Herzen.

Serkan C. hinterlässt zwei Söhne – und eine Geschichte, die zeigt, wie viel Menschlichkeit hinter einer Uniform stecken kann. Sein Leben war geprägt von Verantwortung, Mitgefühl und stiller Großzügigkeit. Eigenschaften, die ihn für viele unersetzlich machen.

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