
Mario Adorf als „Geppetto“ im Bauch eines Walfisches bei den Dreharbeiten zu „Pinocchio“ in Köln am 30.04.2013 | Quelle: Getty Images
„Wieso Denn?“: Öffentlichkeit ist schockiert über Mario Adorfs Grabstätte – die Frau aus seiner Vergangenheit, neben der seine Frau ihn beisetzen ließ
Es ist ein Friedhof, der weniger nach Ende aussieht als nach Erinnerung. Weißer Stein, schmale Wege, Zypressen und dahinter das Meer – der Cimetière marin von Saint-Tropez gehört zu jenen Orten, an denen selbst Abschied etwas Leichtes, fast Filmisches bekommt.
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Genau dort soll Mario Adorf seine letzte Ruhe finden. Nach seinem Tod im Alter von 95 Jahren richtet sich der Blick nun nicht nur auf sein Werk, sondern auch auf einen Ort, der für sein Leben eine besondere Bedeutung hatte.

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Denn Saint-Tropez war für Adorf weit mehr als eine Postkartenkulisse an der Côte d’Azur. Über viele Jahre verbrachte er dort gemeinsam mit seiner Frau Monique Faye die Sommermonate.

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Die Region war Rückzugsort, Sehnsuchtsort und privater Gegenpol zu einem Berufsleben, das über Jahrzehnte von Öffentlichkeit, Dreharbeiten und prominenten Begegnungen geprägt war. Dass ausgerechnet dieser Ort nun auch mit seinem Abschied verbunden wird, wirkt deshalb folgerichtig – und zugleich symbolisch.
Der Friedhof selbst spielt in der aktuellen Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle. Er gilt als markanter Ort über dem Mittelmeer, an dem Saint-Tropez, Geschichte und Erinnerungen auf besondere Weise ineinanderfließen. Nach den vorliegenden Quellen wurde dort erst vor wenigen Monaten auch Brigitte Bardot beigesetzt – im Familiengrab.

Der Schauspieler Mario Adorf und seine Frau Monique nehmen an der „Cinema for Peace“-Gala in Berlin im Westhafen Event & Convention Center (WECC) teil. | Quelle: Getty Images
Für Mario Adorf war Bardot nicht einfach nur eine weltberühmte Schauspielerin, sondern eine Frau, die mit seiner persönlichen Geschichte auf überraschende Weise verbunden blieb.
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Denn Bardot spielte eine wichtige Rolle in Adorfs Lebensweg, auch wenn nicht sie selbst zu seiner großen Liebe wurde. Vielmehr führte über sie eine entscheidende Begegnung: Sie brachte ihn mit Monique Faye zusammen, der Frau, die später seine Ehefrau wurde, die bis zuletzt an seiner Seite blieb. „Ich hatte zuerst nur Augen für die Bardot“, erinnerte sich Adorf einst in einem Interview. Doch daraus entwickelte sich nicht mehr:
„Das eigentliche Kennenlernen fand ein paar Monate später in Rom statt. Die Bardot drehte dort, Monique begleitete sie. Sie rief mich an, ob wir uns abends treffen wollten. Die Bardot hatte sich an mich erinnert, weil ich in Spanien so großzügig war und für alle Champagner ausgab. Die meisten anderen Schauspieler waren geizig.“

Der Schauspieler Mario Adorf sitzt vor der Matinee der technisch überarbeiteten 4K-Fassung von „Winnetou I“ im Café des Arri-Kinos. | Quelle: Getty Images
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In dieser Verbindung liegt ein biografischer Kreis, der nun durch den Bestattungsort eine neue, stille Bedeutung erhält. Nicht in Form eines spektakulären Symbols, sondern als Erinnerung daran, wie eng Ort, Liebe und Vergangenheit in Adorfs Leben miteinander verknüpft waren. Schon in seinem letzten großen Interview sprach Adorf selbst über den Friedhof in Saint-Tropez:
„Der Friedhof in Saint-Tropez ist wunderschön. Direkt am Meer. In Mayen in der Eifel, wo ich aufwuchs, bin ich Ehrenbürger und würde sicher ein Ehrengrab bekommen. Das wäre aber für Monique unpraktisch. München und Paris gäbe es noch. Am Ende wird es wohl Monique entscheiden. Meine Mutter wünschte sich eine Seebestattung. Sie sagte: „Ich will weg sein.“ Das war eine harte, aber konsequente Haltung. Ich hätte sie lieber in einem Grab beerdigt.“
Überhaupt sprach er in seinen späten Jahren mit großer Nüchternheit über das Alter, über Endlichkeit und darüber, dass für ihn nicht das bloße Immer-älter-Werden im Vordergrund stand. Er war zwar Mitglied der Kirche, beschrieb sich selbst aber nicht als wirklich gläubigen Menschen.

Der Schauspieler Mario Adorf sitzt vor der Matinee der technisch überarbeiteten 4K-Fassung von „Winnetou I“ im Café des Arri-Kinos. | Quelle: Getty Images
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Katholisch aufgewachsen, zum Teil im Waisenhaus, mit strengen Nonnen, täglicher Messe und Gebet – all das prägte seine Kindheit, führte jedoch nach seinen eigenen Worten nicht zu einem tiefen Glauben. Seine Haltung wirkte eher weltlich: kein Pathos, keine religiöse Verklärung, sondern ein klarer Blick auf das Leben und dessen Begrenzung.
Auch deshalb passt der Cimetière marin so auffallend gut zu Mario Adorf, wie in seinen letzten Interviews sichtbar wurde. Nicht als Ort kirchlicher Strenge, sondern als Platz der Erinnerung, des Blicks zurück und der stillen Würde.

Mario Adorf, "Es haette schlimmer kommen koennen", 69. Berlinale Internationale Filmfestspiele Berlin | Quelle: Getty Images
In Saint-Tropez hatte er mit Monique glückliche Tage verbracht, hier lag ein gemeinsamer Lebensabschnitt, der offenkundig von Nähe und Vertrautheit geprägt war. Dass seine Frau nun mit diesem Ort verbunden bleibt, macht die Entscheidung für die letzte Ruhestätte besonders nachvollziehbar.
Mario Adorf starb am 8. April friedlich in seiner Wohnung in Paris. Er hinterlässt seine Frau Monique, seine Tochter Stella aus der Beziehung mit Lis Verhoeven und seinen Enkel Julius.
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