
Der NASA-Astronaut Reid Wiseman begrüßt Freunde und Familie, nachdem er das Neil A. Armstrong Operations and Checkout Building verlassen hat 1. April 2026 im Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida | Quelle: Getty Images
„Wenn mir etwas zustößt, wird Folgendes mit dir passieren“: Bevor er zum Mond flog, setzte sich dieser Astronaut mit seinen Töchtern zu einem ernsten Gespräch zusammen
Wenige Tage vor dem Start einer der bedeutendsten Raumfahrtmissionen der vergangenen Jahrzehnte war Reid Wiseman nicht nur als Astronaut und Kommandant gefordert. Bevor es für ihn zum Kennedy Space Center nach Florida ging, stand noch etwas an, das mit Technik, Checklisten und Missionsplänen kaum zu vergleichen ist: ein Gespräch mit seinen Töchtern über den Fall seines Todes.
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Denn Artemis II ist weit mehr als ein gewöhnlicher Flug ins All. Die Mission soll die erste bemannte Reise der NASA rund um den Mond seit 53 Jahren werden.

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Gemeinsam mit Victor Glover, Christina Koch und dem kanadischen Astronauten Jeremy Hansen soll Wiseman am 1. April zu einem zehntägigen Mondvorbeiflug starten. Der Flug gilt als wichtiger Testlauf für spätere Mondlandungen und soll nach Angaben der NASA sogar eine größere Entfernung von der Erde erreichen als Apollo 13.

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Doch noch bevor der Blick auf Rakete, Orion-Kapsel und Startbedingungen gerichtet war, spielte sich für Wiseman ein anderer, sehr persönlicher Moment ab. Der 50-Jährige nahm seine beiden Töchter Ellie und Katherine zu einem Spaziergang mit. Dort sprach er mit ihnen über Dokumente, Vorsorge und die Frage, was geschehen würde, wenn er von der Mission nicht zurückkehren sollte.

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Ein Flug ohne Wiederkehr?
„Ich habe ihnen gesagt: ‚Hier ist das Testament, hier sind die Treuhandunterlagen, und wenn mir etwas zustößt, wird Folgendes mit dir passieren‘“ [...] Ich wünschte mir eigentlich, dass mehr Menschen im Alltag so mit ihren Familien reden würden, denn man weiß ja nie, was der nächste Tag bringt“, sagte Wiseman.
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Die Nüchternheit dieses Satzes macht deutlich, wie konkret die Gespräche gewesen sein müssen. Es ging nicht um abstrakte Ängste, sondern um Verantwortung – und um den Versuch, seinen Töchtern Sicherheit zu geben, obwohl er sich auf eine riskante Reise vorbereitet.
Für Wiseman ist diese familiäre Situation besonders einschneidend. Seine Frau Carroll Taylor Wiseman, die als Krankenschwester auf einer Neugeborenen-Intensivstation arbeitete, starb 2020 im Alter von 46 Jahren nach einer Krebserkrankung.
Seither ist er alleinerziehender Vater zweier Töchter. Nach seinen Schilderungen wissen die beiden um die Risiken der Mission, teilen aber auch seine Überzeugung, dass Entdeckung und Fortschritt zum menschlichen Streben dazugehören.
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Start der Artemis-II-Mission zum Mond | Quelle: Getty Images
Gerade darin liegt die emotionale Spannung dieser Geschichte: Auf der einen Seite steht ein Vater, der seine Kinder nicht unnötig belasten will. Auf der anderen Seite steht ein Astronaut, der weiß, dass sich eine Gelegenheit wie diese kaum ausschlagen lässt. Zu seinen Töchtern sagte der Astronaut nach eigenen Angaben:
„Wir haben darüber gesprochen, und ich sagte: ‚Hör mal, von allen Menschen, die es derzeit auf der Erde gibt, gibt es vier, die in der Lage sind, um den Mond zu fliegen‘“
Wiseman sagte, seine Töchter hätten zunächst „kein Interesse“ daran gehabt, dass er noch einmal startet. Erst nach Gesprächen habe sich das verändert. Am nächsten Morgen, so heißt es in den Quellen, wartete schließlich Unterstützung in einer sehr persönlichen Form auf ihn: selbst gebackene Mond-Cupcakes.
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Die Raumfahrtgeschichte, in die Wiseman nun eintritt, ist groß. Die Crew von Artemis II soll als erste seit Apollo 17 im Jahr 1972 wieder Richtung Mond aufbrechen. Gestartet wird in der Orion-Kapsel auf der Space Launch System-Rakete, deren erster bemannter Einsatz dies sein wird.
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Die 32 Stockwerke hohe Rakete hatte vor vier Jahren bereits eine unbemannte Mission absolviert; nach einer weiteren Reparaturrunde, so heißt es, befindet sie sich in gutem Zustand. Zudem berichtete die NASA von einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit für günstiges Wetter.
Eine emotionale Belastung
Doch selbst diese Zahlen und technischen Details verblassen ein Stück weit hinter dem, was Wiseman über seine Familie sagt. Nach eigener Aussage ist das Schwerste an der Mission nicht das Fliegen selbst, sondern die Belastung, die er seinen Töchtern damit zumutet.
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Er bezeichnet den Schritt ins All sogar als eine egoistische Bitte an seine Kinder. Gleichzeitig macht er deutlich, dass dahinter auch ein persönlicher Anspruch steht: weiterzumachen, sich nach schweren Verlusten wieder aufzurichten und den eigenen Weg nicht aufzugeben. Er verriet:
„Außerdem möchte ich, dass meine Kinder wissen, dass man trotzdem etwas erreichen und weitermachen und wieder auf die Beine kommen kann. Ich glaube, als ich sagte: ‚Das ist etwas, was ich machen möchte, es ist mir wichtig, und ich glaube, ich kann das gut‘, waren sie sofort auf meiner Seite.“
Dabei spielt offenbar auch die Erinnerung an seine verstorbene Frau eine wichtige Rolle. In einem Gespräch mit dem Baltimore Magazine schilderte Wiseman, dass er damals wegen ihrer Erkrankung näher zu Verwandten ziehen wollte:
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„Als meine Frau krank wurde, wollte ich näher zur Familie ziehen. Aber sie sagte: 'Nein, hier arbeitest du, und du liebst deinen Job. Und das sollten wir dafür nicht aufgeben.'“
Diese Haltung scheint bis heute nachzuwirken – nicht nur in seinem eigenen Leben, sondern auch in dem Bild, das er seinen Kindern vermitteln möchte.
Eine einmalige Gelegenheit
„Diese Gelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen“, sagte er. In diesem zweiten Satz verdichten sich Pflichtgefühl, Begeisterung und innerer Konflikt. Denn Wiseman spricht damit nicht nur über eine seltene berufliche Chance, sondern auch über eine Entscheidung, die immer einen Preis hat.
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Seine Töchter begleiteten ihn schließlich nach Florida, um den Start ihres Vaters mitzuerleben. Eine besucht nach seinen Angaben noch die Highschool, die andere bereits das College; genaueres ist über die beiden nicht bekannt.
Wiseman wiederum will Briefe seiner Töchter mit zum Mond nehmen – als persönliche Erinnerungsstücke auf einer Mission, die weltweit Aufmerksamkeit auf sich zieht, für ihn selbst aber vor allem auch eine Familiengeschichte ist.
So symbolisiert Artemis II nicht nur Raumfahrt und Aufbruch, sondern auch einen Vater, der zwischen historischer Mission und persönlicher Verantwortung einen Weg finden muss. Gerade deshalb wirkt diese Geschichte so eindringlich: Weil sie zeigt, dass selbst hinter den größten Momenten der Raumfahrt sehr menschliche, sehr verletzliche Schicksale stehen.
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